Ein deutscher Patient hatte die Tilak (Trägerin der Tiroler Krankenhäuser, Anm.) auf Schadensersatz geklagt, da die Therapie bei ihm nicht den gewünschten Erfolg erzielte. Abgesehen davon, dass die Behandlung erfolglos war, sei er auch nicht ausreichend über den experimentellen Status des Verfahrens aufgeklärt worden. Die Tilak verlor den Zivilprozess im April 2008. Weitere Klagen von Patienten folgten.
Ethikkommission unter Druck gesetzt?
Schwere Vorwürfe gegen die Urologen erhob während des Prozesses gegen die Tilak ein Vertreter der Ethikkommission. Studien an Patienten seien durchgeführt worden, ohne dass die Kommission damit befasst worden sei. Aus Sicht der Ethikkommission handle es sich bei der Behandlungsmethode nach wie vor um eine experimentelle Therapie, sagte deren Vertreter Andreas Scheil als Zeuge. Der Vorwurf der versuchten schweren Nötigung resultiert daraus, dass einer der beschuldigten Ärzte den Vorsitzenden der Ethikkommission unter Druck gesetzt haben soll.
Der Patient sei außerhalb einer von der Kommission als positiv beurteilten Studie behandelt worden, erklärte Scheil vor Gericht. Im Zeitraum von Oktober 2003 bis Juli 2007 seien außerdem mindestens 300 Patienten an der Urologie an der Universitätsklinik in Innsbruck ohne Befürwortung der Kommission behandelt worden.
Fachzeitschrift zieht Veröffentlichung zurück
Der Fall sorgte auch international für Aufsehen. Die renommierte Medizin-Zeitschrift "The Lancet" hat beispielsweise die Veröffentlichung der umstrittenen Harninkontinenzstudie an der Urologie der Medizin-Uni Innsbruck offiziell zurückgezogen.
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