Jagd mit Schalldämpfer

Wildererbande tötete mehr als 100 Tiere - gefasst

Rund um Bad Ischl war eine fünfköpfige Wildererbande unterwegs - nahezu immer nachts, ausgerüstet mit Wärmebildkameras und Schalldämpfern. Mehr als 100 Tiere soll die Gruppe abgeknallt haben - vom Eichkätzchen bis zum Rehbock. Das Fleisch wurde großteils gegessen, die Trophäen wurden daheim ausgestellt.

Die Beschuldigten, ausgenommen ein 45-Jähriger, von denen keiner im Besitz einer gültigen Jagdkarte war, sollen in den meisten Fällen nachts mit Jagdwaffen, Wärmebildkameras und Schalldämpfern losgefahren sein und den Tieren aus den fahrenden Autos nachgestellt haben. Nach dem Erlegen wurden die Tiere zerteilt, die Trophäen einbehalten, das Fleisch unter den Verdächtigen aufgeteilt und verzehrt.

Ermittlungen seit Ende April
Die Polizeiinspektion Bad Ischl führte seit Ende April 2020 aufgrund vertraulicher Hinweise aus der Bevölkerung Ermittlungen gegen drei Männer (19, 26 und 27 Jahre alt). Der 27-Jährige wurde außerdem verdächtigt, trotz eines Waffenverbotes Schusswaffen zu besitzen sowie Schalldämpfer und Munition herzustellen. Der Verdacht erhärtete sich und die Ermittlungen wurden auch gegen einen 52-Jährigen eingeleitet.

Routinekontrolle ließ Bande auffliegen
In den frühen Morgenstunden des 1. Juni wurde der 27-Jährige bei einer Lenker- und Fahrzeugkontrolle im Gemeindegebiet von Bad Ischl angehalten und mit einer Jagdwaffe, Munition und Jagdausrüstung erwischt - er wurde festgenommen. Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Wels wurden Hausdurchsuchungen bei den vier Hauptbeschuldigten durchgeführt. Dabei wurde eine umfangreiche Anzahl an Schusswaffen und Munition, Schalldämpfern, Jagdausrüstung, diverse Jagdtrophäen und eingefrorene Wildtiere sichergestellt.

Auch Biber erlegt
Alle vier Beschuldigten zeigten sich bei den Einvernahmen grundlegend geständig. Im Zuge der weiteren Ermittlungen stieß die Polizei auch auf einen 45-Jährigen aus dem Bezirk Gmunden. Dieser soll den widerrechtlichen Abschuss von Rehwild und Füchsen ermöglicht haben. Außerdem wurden zwei 27-Jährige aus dem Bezirk Linz-Land ausgeforscht. Diese sind verdächtig, im Gemeindegebiet von Piberbach und Wallern an der Trattnach mehrere als geschützt geltende Biber erlegt zu haben. Bei Hausdurchsuchungen konnte auch bei ihnen eine große Anzahl an Schusswaffen und Munition, unzählige Jagdtrophäen sowie eingefrorene Wildtiere sichergestellt werden.

55 Taten, mehr als hundert Tiere
Bislang dürfte die Gruppe, in jeweils wechselnder Zusammensetzung, 55-mal zu Jagden aufgebrochen sein und dabei mehr als hundert Tiere erlegt haben - sowohl zur Jagd freigegebene wie auch besonders geschützte. Nach derzeitigem Ermittlungsstand sollen neben mindestens 26 Rehen, darunter 17 Böcken, auch Fisch- und Seidenreiher, Biber, Füchse, Bussarde, Gänsesäger, Feldhasen, Fasane, Mauswiesel, Bisamratten, Krähen, Tauben, Dohlen, Eichelhäher, Sperber, Grün- und Schwarzspechte, Haussperlinge, Amseln, Eichkätzchen und Bachforellen widerrechtlich getötet und von den Beschuldigten einbehalten worden sein.

78 Waffen gefunden
Insgesamt wurden 78 Schusswaffen aller Kategorien, mehrere Tausend Schuss Munition verschiedenster Kaliber, 31 Schalldämpfer, Nachtsichtgeräte und Wärmebildkameras sowie umfangreiches Equipment zur Selbstherstellung von Munition sichergestellt und gegen die sieben Beteiligten vorläufige Waffenverbote ausgesprochen, die zwischenzeitlich allesamt behördlich bestätigt wurden. Der Schaden durch die Wilderei beträgt Tausende Euro.

 OÖ-Krone
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Freitag, 23. Oktober 2020
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