Der nächste Akt rund um das blutige Gemetzel in der kleinen Gemeinde hat einige spannende Szenen zu bieten. Das Land Tirol hat – wie bekannt – den Sachverständigen Paolo Molinari damit beauftragt, ein Gutachten zu erstellen. Doch noch vor dieser Beauftragung soll ein gerichtlich beeideter Sachverständiger aus Vorarlberg im Auftrag des Landes bereits ein Gutachten verfasst haben.
„Es werden keine Auskünfte erteilt“
Zumindest ortet das FPÖ-Landesparteiobmann Markus Abwerzger. Dieses Gutachten sei unter Verschluss gehalten worden und daher habe er LH-Stv. Geisler um Auskunft und Zusendung dieses Gutachtens ersucht. Die karge Antwort seitens eines Mitarbeiters: „Hierzu behängen mehrere Verfahren und aus diesem Grund werden keine weiteren Auskünfte erteilt.“
Eine Antwort, die Abwerzger in Rage versetzt: „Es ist ein unfassbarer Tiefpunkt der Kommunikation zwischen dem Land und gewählten Mandataren erreicht. Zuerst versucht man, einen für blöd zu verkaufen, und dann verweigert man die Auskunft. Nachdem der Inhalt dieses angeblichen Gutachtens wohl nicht im Sinne des Landes war, hat man ein neues eingeholt.“
„Das ist ein Skandal, peinlich & letztklassig“
Der Inhalt dieses Gutachtens soll laut Abwerzger brisant sein: „Laut mir vorliegenden Informationen belegt es offenbar, dass die betroffenen Gebiete gar keine Seuchengebiete mehr sind. Das würde auch bedeuten, dass die gesamte Tötungsaktion im abscheulichen Gatter nicht ansatzweise notwendig war. Man hätte schon längst auf die neue Situation reagieren müssen. Das ist ein Skandal. Anstatt endlich das nach dem Massaker öffentlich gegebene Wort, solche Aktionen einzustellen, einzuhalten, wird versucht, durch Verdrehung von Tatsachen die mutige Zivilbevölkerung in Kaisers zu kriminalisieren. Das ist peinlich und letztklassig.“
„Zweites Gutachten gleichzeitig erstellt“
Doch was ist tatsächlich dran an dieser Causa? Das Land Tirol bestätigt die Existenz dieses zweiten Gutachtens. „Das Land hat seit 2008 mehrere Gutachten zur TBC-Bekämpfung im Lechtal in Auftrag gegeben. Jenes zweite Gutachten im Fall Kaisers wurde gleichzeitig mit dem Molinari-Gutachten in Auftrag gegeben. Das eine sollte die tierschutzfachliche, das andere die jagdfachliche Vorgangsweise beleuchten. Beide Gutachten bestätigen die tierschutzgerechte bzw. jagdfachliche Vorgangsweise bei der Seuchenbekämpfung in Kaisers. Teils differenzierte Betrachtungen gibt es bezüglich epidemiologischer Fragen.
Das Gesundheitsministerium hat die Vorgehensweise des Landes als richtig bewertet. Nicht zuletzt habe das Landesverwaltungsgericht in seiner abschließenden Entscheidung gerichtlich alternative Maßnahmen vorgeschrieben, die das Land umsetzen muss und umgesetzt hat", heißt es.
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