"Zu wenig Praxis"

Ehepaar bei Bike-Crash getötet – Experten warnen

Oberösterreich
03.09.2010 07:49
Zwei Teenager (15 und 17) sind, wie berichtet, zu Waisen geworden, als ein Marchtrenker Ehepaar (beide 45) bei einem Bikerurlaub im deutschen Schwarzwald tödlich verunglückt ist. Der Motorrad-Lenker hatte erst kurz vorher begonnen, Motorrad zu fahren. Nun warnen Fachleute davor, Jahrzehnte nach der Führerscheinprüfung ohne Praxis draufloszustarten.

Mit acht Biker-Freunden war das Ehepaar am Montag aufgebrochen und am Dienstag im Schwarzwald in Baden-Württemberg unterwegs. Die Region ist wegen ihrer kurvenreichen Strecken ein beliebtes Ziel von Bikern.

In einer Rechtskurve der B500 im Gemeindegebiet von Schönwald rutschte der Marchtrenker, Mitarbeiter einer großen Öko-Firma, mit seinem Motorrad plötzlich weg, krachte gegen die Leitschiene und erlag noch an der Unfallstelle seinen schweren Verletzungen. Seine am Sozius mitfahrende Frau wurde noch in ein Spital geflogen, konnte aber auch nicht mehr gerettet werden.

Praxis überlebenswichtig
Viele Oberösterreicher machen den A-Führerschein gleich als Jugendlicher mit dem B-Schein. Dann fahren sie aber nie Motorrad, aus Zeit- oder Geldmangel oder wegen der Familie. "Die Hälfte der Biker sind Spätberufene und werden erst mit über 40 'flügge'", weiß Gerhard Falkner vom ARBÖ in Linz.

Ein Fahrsicherheitstraining oder Perfektionsstunden in der Fahrschule seien für Motorradfahrer, die Jahre oder Jahrzehnte keine Fahrpraxis hatten, unerlässlich, ist auch Christoph Doppler, Fahrschulinhaber aus Linz, überzeugt: "Das Motorrad hat viel höhere Anforderungen als der Pkw. Da ist der eigene Körper die Knautschzone. Auch die Blicktechnik ist meist schon 'eingerostet', das muss man auffrischen."

Ein Warm-up-Training sei für jeden Biker zu Saisonstart im Frühling hilfreich, alle zehn Jahre sollte man auch eine Perfektionsstunde absolvieren. Das Hauptproblem ist laut Falkner das "Drücken": "Man muss beim Motorradfahren in den Kurven mit dem Oberkörper dagegendrücken können, sonst kann man nicht ausweichen." Bei Frauen sei immer wieder das Fahrzeug viel zu groß – und damit sehr gefährlich.

von Jasmin Gaderer ("OÖ Krone") und ooe.krone.at
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