29.06.2020 10:04 |

Spaltendes Experiment

Südafrika setzt ganzes Land auf Zigaretten-Entzug

Südafrika wagt derzeit ein weltweit einmaliges soziales Experiment. So setzt das Land seine Raucher von einem auf den anderen Tag praktisch auf Entzug. Mit Beginn der Corona-Krise im 58-Millionen-Einwohner-Land verhängte die Regierung vor drei Monaten einen Tabak-Bann, der bis heute aufrecht ist. Vielen Rauchern bleibt derzeit nichts anderes übrig, als sich auf dem Schwarzmarkt zu bedienen und teilweise horrende Preise für oft minderwertige Zigaretten zu bezahlen.

Während die Tabakindustrie auf den Barrikaden ist und Ökonomen vor Steuerverlusten warnen, hatte die zuständige Ministerin Nkosazana Dlamini-Zuma den Bann damit begründet, dass Raucher gefährdeter für Komplikationen durch Covid-19 seien und das Gesundheitssystem strapazieren könnten. Im gesamten Land infizierten sich bereits mehr als 100.000 Menschen mit dem neuartigen Coronavirus.

Klage von Produzenten abgewiesen
Zwar hatte ein Gericht Anfang Juni befunden, der Tabak-Bann und ähnliche Maßnahmen stünden rational nicht im Zusammenhang mit einer Begrenzung der Covid-19-Infektionen. Doch vergangenen Freitag gab ein anderes Gericht in Pretoria der Ministerin Recht und wies eine Klage der unabhängigen FITA-Tabakproduzenten ab.

Zigarettenhersteller fürchten um ihr Überleben
Die Tabakproduzenten fürchten um ihr Überleben und warnen vor den ökonomischen Folgen des Banns. Sie argumentieren, dass die Branche im Vorjahr mehr als 670 Millionen Euro an Steuereinnahmen in die Staatskassen gespült hätte. Normalerweise kostet eine Stange Zigaretten in Südafrika umgerechnet etwa 22 Euro, auf dem Schwarzmarkt fordern Händler aber für Markenzigaretten bis zu 93 Euro.

Regierung hofft auf viele neue Nichtraucher
Viele Südafrikaner fühlen sich bevormundet und machen ihrem Ärger lautstark Luft. „Dieser Tabak-Bann macht keinen Sinn“, schimpft etwa der Südafrikaner Katlego Tshiloane. Die Regierung hofft indes, dass bis zu zehn Prozent der Raucher im Land aufgrund des Banns ganz mit dem Rauchen aufhören könnten. Das wären bei knapp zehn Millionen Rauchern in Südafrika immerhin eine Million Menschen.

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