26.06.2020 13:00 |

Lech und Gurglbach:

Entfesselnde Bauten als späte „Entschuldigung“

Mit einem Einsatz von acht Millionen Euro dürfen der Lech und der Gurglbach zu ihren Wurzeln zurück. Sie bekommen derzeit das zurück, was ihnen frühere Generationen genommen haben: Platz und Lebensräume für Flora und Fauna. 

Die Einschränkung der persönlichen Freiheit eines Menschen ist ein Strafdelikt. Unsere Bäche mussten dies vor vielen Jahrzehnten ertragen – ohne Konsequenzen für die Verursacher. „Das Ziel unserer Vorfahren war Land zu gewinnen“, sagt Wolfgang Klien, der Leiter des Bereiches Wasserwirtschaft der BH Reutte. Er erlebte wie kaum ein anderer den Wandel von den harten Verbauungen, beginnend vor rund hundert Jahren, zum heutigen naturnahen Flussbau. Und meist stehen diese Kontraste im engen Zusammenhang: Das, was man vor vielen Jahrzehnten kostspielig regulierte, wird heute kostspielig dereguliert. Renaturierung ist der zeitgemäße Ausdruck.

Stolze Summe für Renaturierungsprogramm
Auch der Lech musste viel erdulden. Er wurde teilweise eng reguliert, Schotterflächen wurden abgetragen, die Flusssohle tiefte bis zu vier Meter ein. Der Grundwasserspiegel senkte sich – die Natur musste die Folgen tragen. Die „Entschuldigung“ startete 2002 mit dem ersten „Life-Lech-Projekt“, damals schon unter der Federführung von Wolfgang Klien. Mit dem fünfjährigen, gut dotierten EU-Förderprogramm zur Renaturierung des Lechs, legte man den Grundstein für das, was seit 2016 aktuell im Natura 2000-Gebiet im Gange ist: das Renaturierungsprogramm „Life-Lech“ II. „Mit einem Budget von 6,1 Millionen Euro setzen wir zwölf flussbauliche Maßnahmen vom Oberlauf des Lechs bis er zum Grenzfluss wird um“, präzisiert Projektleiter Klien, „die Arbeiten sind in der Zielgeraden.“

Naturschutzprojekt mit Hochwasserschutz
Die exakt definierten Teilprojekte (www.life-lech.at) eignen sich besonders für die Wiederherstellung dynamisch geprägter Schotterflächen und Pionierstandorte – die alten Fesseln werden abgenommen. Aber nicht nur Lebensräume für hochspezialisierte, an den Wildfluss angepasste Arten, werden neu geschaffen, sondern im gleichen Zug wird als Zusatznutzen auch die Eintiefung der Flusssohle gestoppt und der Grundwasserspiegel stabilisiert bzw. angehoben. „Davon profitieren die Auen, ihre Bewohner und schließlich auch der Mensch in Form eines besseren Hochwasserschutzes“, erwähnt Experte Klien.

Einst begradigt, jetzt begnadigt
Vor 150 Jahren hatte es auch der Gurglbach nicht eilig und mäandrierte von Nassereith nach Imst, bis er schließlich vor ca. 120 Jahren begradigt wurde. Jetzt wird er begnadigt: Die Umweltabteilung des Landes Tirol investiert 1,8 Mio. Euro in die Revitalisierung. Auf einer Länge von 1,1 km bekam die „Gurgl“ ein neues Bachbett, breit, verspielt, die Gurgltaler sind begeistert. Als Vorlage diente eine Landschaftskarte von 1850. „Nun sollen sich wieder ausgedehntere Auenbereiche sowie flachere Uferbereiche mit neuen Lebensräumen für gefährdete und anspruchsvolle Tierarten entwickeln“, schwärmt auch Naturschutzlandesrätin Ingrid Felipe. Auch hier partizipiert der Mensch voll mit: Es entsteht nämlich ein neues Naherholungsgebiet und ein idyllischer Rastplatz für die Radfahrer. „Wir haben kürzlich mit den gewässerökologischen Maßnahmen begonnen“, berichtet dazu Projektleiter Dieter Monz, „Ende Juli werden wir so gut wie fertig sein.“

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