05.05.2020 13:00 |

Der 50-Jahr-paner

Toyota Celica: Mustang-Jäger und Manga-Star

Der Ford Mustang fand weltweit viele Nachahmer, aber es waren weder Manta noch Capri, die das Pony-Car am besten kopierten. Toyota Celica heißt der erfolgreichste Mustang-Jäger. Über drei Jahrzehnte blieb der in kultigen Formen gezeichnete preiswerte Japaner ein Siegertyp - speziell in Amerika.

Lee Iacocca, jener Ford-Manager, der den Mustang zu Verkaufsrekorden katapultierte, wusste, was ein Auto begehrenswert macht: „Charisma bringt die Leute dazu, dir zu folgen.“ Und das meiste Charisma hatten in den tempoberauschten 1960ern und 70ern tatsächlich Sportcoupés in schnellen Formen, die dem Vorbild des amerikanischen Pony-Cars folgten.

Wer jetzt ausschließlich an europäische Erfolgstypen wie Manta und Capri denkt, hat den wahren Megaseller vergessen: Vor 50 Jahren präsentierte Toyota die verführerisch verpackte Celica. Ein familientaugliches Coupé, das mit lang gestreckter Motorhaube, schwebend leicht wirkendem Hardtop-Dach und dezentem Hüftschwung Emotionen in Großserie weckte und damit Toyota den endgültigen Durchbruch auf dem Weltmarkt bescherte.

Auch in Deutschland zählte die Celica zum Startaufgebot des 1970 ins Kölner Handelsregister eingetragenen Importeurs. Allerdings hatte das eigens für Celica und Carina (die Limousinen-Version) gebaute japanische Werk erst ab 1972 die Kapazität, um wirklich alle Märkte zu bedienen. Folgte der preiswerte und solide gebaute Shootingstar doch seinem Vorbild Mustang, dem er sogar in den Weiten der Prärien zusetzte: Die Amis wurden Celica-crazy und der Toyota positionierte sich als meistverkauftes Vierzylinder-Coupé aller Zeiten. Bis 2006 wurden über 4,1 Millionen Celica ausgeliefert, davon die Hälfte in den USA.

Supra als Über-Celica
Auch das bis heute populäre Power-Coupé Supra brachte das kompakte japanische Pony-Car in Fahrt und dies erneut zuerst im Mustang-Land. Obwohl Ford passend zum Ölpreis-Schock von 1974 und dem zeitgleich eingeführten 55-Meilen-Speedlimits (88 km/h) erstmals auf Downsizing-Vierzylinder vertraute, verloren starke Sportcoupés nichts an Faszination. So reüssierte ein Geschwader schneller Samurai aus Nissan Z und Mazda RX und US-Pony-Cars wie Camaro oder Pontiac Firebird bewahrten ihre V8. Da holte auch Ford die Macht der V8 zurück - und Toyota zündete die Über-Celica als Supra, zuerst mit 2,6-Liter-Sechszylinder, wenig später mit einem 2,8-Liter-Aggregat.

Welches Faszinations-Potential die Celica mitbrachte, bewiesen spektakuläre Promotion-Einsätze zum Kinostart des Blogbusters Star Wars, Pace-Car-Engagements bei Grand-Prix-Rennen, Celica-Markenpokal-Serien und die Erfolge der für die Rallye-WM präparierten Celica. Toyota zeigte mit der Celica - der Name leitet sich übrigens vom spanischen Wort „celestial“ für „himmlisch“ ab - tatsächlich Charisma und differenzierte sich klar von profilloseren japanischen Konkurrenten, die ab Ende der 1970er-Jahre nach Europa drängten.

Manga-Kriegerin erobert Europa
Die Millionen-Schallmauer durchbrach die Celica mit einem ikonischen Typencode: 2000GT versprach der Schriftzug auf der großzügig verglasten Heckklappe der neu eingeführten Celica Liftback - eine Reminiszenz an den ersten japanischen Supersportwagen von 1965, der durch Vmax-Rekorde und die automobile Hauptrolle im James-Bond-Streifen „Man lebt nur zweimal“ weltweit bekannt geworden war. Zum Pin-up- und Poster-Car wie dieser sogar von Carrol Shelby veredelte 2000GT brachte es die Celica nicht, aber sie stellte klar, dass Toyota einmal mehr die besten Sportwagenbauer herausfordern wollte, ganz besonders in Nordamerika und Europa. Während die Celica auf dem japanischen Heimatmarkt mit klassischem Hinterradantrieb bei Drift-Challenges dominierte und als Kultobjekt in Mangas sogar einer sagenhaften Kriegerin den Namen gab, machte das Coupé die Marke Toyota in Europa erstmals begehrenswert.

Neben unkaputtbar zuverlässigen, aber sonst langweiligen Limousinen à la Starlet, Corolla oder Corona wirkte die Celica optisch wie ein muskelbepacktes Energiebündel, obwohl auch unter ihrer langen Motorhaube vor allem Vierzylinder mit mageren 75 PS bis maximal 123 PS arbeiteten. Immerhin verzichtete Toyota in der serienmäßig gut ausgestatteten Celica auf Spaßbremsen der kostengünstigen 50-PS-Klasse, wie sie etwa in deutschen Familiencoupés lange Standard waren. Dem Faszinationspotential der Celica kam das zugute, so konnte der Nippon-Sportler auf vielen Märkten glaubhaft als adrenalinhaltiger Gran Turismo beworben werden. Ein Image, von dem Toyota USA so profitierte, dass die Marke auf die Pole Position der Importcharts schoss - vor den Erzrivalen von Volkswagen.

Celica auch als Cabrio
So kam es, dass die zweite, 1978 lancierte Celica-Generation bei Toyota Calty in Kalifornien designt wurde und Karossiers wie American Custom Coachworks Celica Cabriolets für die Sonnenstaaten entwarfen. Aber auch in Deutschland fanden Cabrio-Spezialisten wie Tropic genügend Fans für Celica mit Verdeck. Viel wichtiger waren allerdings andere Innovationen, mit denen die jetzt im Vier-Jahres-Turnus wechselnden Celica-Generationen überraschten.

Kuriose Klappscheinwerfer, die in den Kühlergrill integriert waren oder im Ruhezustand Richtung Himmel blickten, gehörten bei Generation drei (1982 bis 1985) ebenso dazu wie Japans erster 16-Ventiler oder die Celica Twin Cam Turbo mit bis zu 370 PS für Erfolge in der berühmt-berüchtigten Gruppe B der Rallye-WM.

Mit der Umstellung auf Vorderradantrieb sorgte dann die vierte Celica (1985 bis 1989) für Furore, nicht zu vergessen der optionale Allradantrieb im 220 km/h flotten GT Turbo - damals der schnellste 4x4-Vierzylinder auf dem Markt. Noch mehr Leistung gab es 1988 in der 600 PS starken Celica 4T-GT für die Indy-GTO-Serie: das bis dahin schärfste Schwert made in Japan.

Bestens präpariert für Speedjunkies, die sich im Sprintderby mit Maranello- oder Modena-Boliden messen wollten, war dagegen die fünfte Celica (1989 bis 1994) als Turbo 4WD. Bis zu 225 PS genügten zudem für den Titel des leistungsstärksten 2,0-Liter-Vierzylinders der Welt. Dazu passte perfekt die damals beispiellose Serie von fünf Titeln in der Rallye-WM, erkämpft mit Celica WRC.

Celica Nummer sechs (1994 bis 1999) schickte die Klappscheinwerfer in den Ruhestand, bot dafür neue Fabelwerte auf Straße und Strecke - auch beim „Race to the Clouds“ auf den Pikes Peak - und sie demonstrierte, dass Toyota die Idee des bezahlbaren viersitzigen Sportcoupés lebendig hielt, während sie bei anderen Marken bereits in Vergessenheit geriet.

Auch die siebte Celica (1999 bis 2006) übte sich in dieser Kunst und das in provozierender Keilform, trotzdem kam die Idee des familientauglichen Coupés weltweit aus der Mode. Stattdessen wurde es chic, mit Kompakt-SUV und Crossover zu Kindergarten, Shoppingmalls oder Großraumbüro zu fahren.

Konzernchef Akio Toyoda rückte 2011 die Freude an sportlichen Fahrzeugen wieder in den Vordergrund und zeigte ein frisches viersitziges Sportcoupé: Celica durfte der neue GT86 zwar nicht mehr heißen, dafür holt seit 2019 der einstige Celica-Offspring Supra den Racing-Glamour vergangener Tage zurück. Und der Mustang? Auch dieses Coupé erlebt ein Revival, aber als Vorbild für die Japaner hat es ausgedient.

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