12.04.2020 10:00 |

Fallzahlen gering

Mit Distanz können die Außerferner gut leben

Überall Corona? Nicht ganz! Der Bezirk Reutte ist von der ersten Welle zum großen Teil verschont geblieben. Stimmungsbild aus dem Außerfern, wo die Krise ihre ganz besonderen Eigenheiten hat.

Ganz Österreich schaut auf das Tiroler Oberland. Ischgl, St. Anton und Sölden hätten auf diese Aufmerksamkeit bestimmt gerne verzichtet. Corona-Brennpunkte statt Tourismushochburgen – so war das nicht vorgesehen. Und jetzt auch noch die Verlängerung der strengen Quarantäne im Paznaun und am Arlberg. Schwere Zeiten für die Bevölkerung.

Rund 50 Erkrankte und das erste Todesopfer
Da sind die Außerferner derzeit wohl froh über den natürlichen Schutzwall der Lechtaler Alpen und die Distanz zum Rest Tirols. Der Bezirk Reutte verzeichnete bisher nicht nur absolut die wenigsten Fälle, sondern auch im Verhältnis zur Einwohnerzahl. Am Karsamstag wurden vom Land knapp über 30 Erkrankte gemeldet. Seit Ausbruch der Krise waren es etwas mehr als 50. Reutte hatte bisher als einziger Bezirk nur ein Todesopfer zu beklagen. Seit Karsamstag gilt diese Ausnahme leider nicht mehr.

Trotz geringer Fallzahlen steht die Region wie alle anderen im Bann von Corona und die Bevölkerung muss sich stark einschränken. Bezirkshauptfrau Katharina Rumpf lobt die Disziplin der Außerferner: „Zum weit überwiegenden Teil halten sich die Bewohner an die Verkehrsbeschränkungen und Quarantänemaßnahmen. Dafür gebührt allen ein besonderer Dank.“

Polizei und Nachbarn als moralische Instanzen
Eine Einschätzung, die auch die Polizei teilt. Der stellvertretende Bezirkspolizeikommandant Walter Schimpfössl weiß als ausgebildeter Bergführer, wie schwer der Verzicht gerade jetzt fällt: „Die Bedingungen für Skitouren könnten schöner nicht sein. Trotzdem haben wir kaum Übertretungen. Im Tal ist schon Bewegung, aber auf den Bergen großteils Ruhe.“ Schimpfössl glaubt, dass so manchen Sportfan weniger die Polizeikontrollen als die vorwurfsvollen Blicke der Nachbarn im Dorf abschrecken. Landleben eben!

Auf dem Weg zur Arbeit wird Fieber gemessen
Die Grenze zu Deutschland ist zu. Aber Pendler dürfen durch. Rumpf spricht von rund 800 Personen. Diese müssen derzeit mehr Zeit für den Weg zur Arbeit einplanen, weil sie täglich den Gesundheitscheck durchlaufen müssen. Auffälligkeiten habe es bisher keine gegeben, sagt die Bezirkshauptfrau. Eine mögliche Einschleppung des Virus von Bayern her ist aber immer Thema. Rumpf: „Derzeit ist die Lage stabil.“

Amtshilfe der Exekutive aus Deutschland
Froh darüber ist vor allem Karina Konrad, Bürgermeisterin der Exklave Jungholz. Ihre Bürger sind jetzt noch mehr von Tirol abgeschottet und trotz Grenzschließung auf Deutschland angewiesen. „Geschäfte und medizinische Versorgung gibt es im Ort keine. Wir müssen alles in Deutschland erledigen. Jeder ist mit Ausweis und Berechtigungsschein unterwegs.“

Besonders bemerkenswert ist die Tatsache, dass jetzt auch und vor allem die deutsche Polizei für Jungholz zuständig ist. Schimpfössl: „Wir könnten nur über Deutschland anreisen. Das dauert zu lange. Der Einsatz der deutschen Kollegen ist durch bilaterale Verträge rechtlich gedeckt.“ Viele Amtshandlungen sind im 300-Seelen-Dorf eh nicht zu erwarten. Alles ruhig, sagt die Ortschefin. Diese Ruhe und Abgeschiedenheit schätzen die Außerferner in Zeiten wie diesen besonders.

Claudia Thurner
Claudia Thurner
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