02.04.2020 10:21 |

Mehrjähriger Schutz?

Geheilte Corona-Patienten sind vermutlich immun

Forscher wissen noch immer sehr wenig über das neuartige Coronavirus, das die Welt seit Monaten in Atem hält. Doch nun lassen Experten mit einer positiven Meldung aufhorchen: Hat man eine Infektion mit dem Erreger einmal überstanden, ist man wahrscheinlich zunächst für einen gewissen Zeitraum immun.

Eines scheint gewiss: Nach einer Ansteckung mit SARS-CoV-2 werden Antikörper gebildet. Es sei davon auszugehen, dass der Immunschutz nach einer abgeheilten Infektion ein bis zwei Jahre anhält, erklärten die Virologin Melanie Brinkmann vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig und Friedemann Weber, Leiter des Instituts für Virologie an der Universität Gießen. Diese Annahme basiere auf der Erfahrung mit anderen humanen Coronaviren.

Erst Langzeituntersuchungen können Annahme bestätigen
Diese Einschätzung teilen andere Experten: „Aller Voraussicht nach ist man nach Ansteckung mit dem SARS-CoV-2-Virus mindestens ein paar Jahre lang vor einer erneuten Infektion geschützt“, sagte auch der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Thomas Kamradt. Genau sagen lasse sich dies jedoch noch nicht, schließlich kämen Antikörper-Tests gerade erst heraus und Langzeituntersuchungen seien auch noch nicht möglich, da die Krankheit erst seit wenigen Monaten bekannt ist. Nach allem, was man von ähnlichen Viren wisse, schützten die als Reaktion vom Körper gebildeten Antikörper vor einer erneuten Infektion.

Wie lange dieser Schutz anhält, hängt Kamradt zufolge davon ab, in welchem Tempo die Konzentration der Antikörper im Blut, der sogenannte Antikörper-Titer, abnimmt. Je höher der Titer, also die Anzahl der Antikörper, desto stärker der Schutz. Dass die im Körper produzierten Antikörper gegen das neuartige Coronavirus nicht vor einer erneuten Infektion schützen, wäre „extrem außergewöhnlich“, sagte Kamradt. Dem ärztlichen Direktor des Instituts für Laborationsmedizin am Marienhospital Stuttgart, Matthias Orth, zufolge lässt sich noch nicht gesichert sagen, ob die gebildeten Antikörper vor einer erneuten Infektion schützen. Noch sei unbekannt, ab welcher Konzentration von Antikörpern ein Schutz besteht und wie häufig doch erneute Infektionen auftreten.

Anzahl an gebildeten Antikörpern könnte Verlauf beeinflussen
Laut Brinkmann und Weber wird auch interessant sein, die Antikörper-Titer von Menschen mit unterschiedlichen Krankheitsverläufen zu untersuchen. Damit könne die Frage geklärt werden, ob Menschen mit schweren Verläufen überhaupt Antikörper gebildet hatten - oder anders gesagt: „War der Verlauf so schwer, weil noch keine Antikörper vorhanden waren?“ Ebenso könne die Frage beantwortet werden, wann im Infektionsverlauf spezifische Antikörper gebildet werden.

Waren bis zu 70 Prozent der Bevölkerung infiziert, wird Pandemie gestoppt
Wichtig ist es Brinkmann und Weber zufolge nun, verlässliche Antikörpertests zu identifizieren und breitflächig zu testen. Das sei bedeutsam, um die Dunkelziffer nicht erfasster Fälle zu ermitteln. Das hilft zu erkennen, wie viele Menschen die Infektion bereits unbemerkt durchgemacht haben, also wie hoch die Grundimmunität der Bevölkerung inzwischen schon ist. Nach statistischen Hochrechnungen müssen sich etwa 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung infiziert haben, bevor die Pandemiewelle von allein - also ohne schützende Impfung - zum Stillstand kommt. Das Wissen um eine durchgemachte Infektion sei auch wichtig, um Personen mit bestehendem Immunschutz „grünes Licht“ zu geben für Arbeit und Aufhebung der Kontaktreduktion.

Dem Berliner Virologen Christian Drosten zufolge vergehen nach einer Infektion mit dem Coronavirus etwa zehn Tage bis zur Bildung von Antikörpern. Anhand einer Blutprobe mit einem bestimmten Test könne man dann messen, ob ein Patient Antikörper im Blut hat, „egal, ob der eine schwere Infektion hatte oder eine milde Infektion oder eine vollkommen unbemerkte Infektion“, sagte Drosten in einem NDR-Podcast vergangene Woche. Letztgenannte Fälle seien ebenfalls antikörperpositiv.

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