13.03.2020 10:17 |

Das sagt Virologe

Coronavirus: Wann gelten Patienten als geheilt?

Das Coronavirus beschäftigt die Menschen aufgrund seiner rasanten Ausbreitung erwartungsgemäß intensiv. Viele haben nicht nur Fragen und Sorgen zu einer möglichen Ansteckung und zum Krankheitsverlauf, sondern auch dazu, wann Patienten als geheilt gelten und ob sie dann immun gegen das neuartige Virus sind. Aber es ist wie so oft im Leben, ganz eindeutige Antworten gibt es zumindest auf die Schnelle, also vorerst, noch nicht. Laut dem Leiter des nationalen Referenzlabors für virologische Untersuchungen von Arboviren, Stephan Aberle, weiß man derzeit weder, wie lange Patienten ansteckend sind, noch ob sie nach einer Erkrankung immun gegen das Virus SARS-CoV-2 sind.

Wann man wieder gesund ist, sei eine klinische Frage, betonte Aberle. „Das ist, glaube ich, jedem irgendwie bekannt, wie man sich dann fühlt.“ Die Frage von Virologen ist: „Wann ist ein Patient nicht mehr infektiös?“ Und das ist derzeit bei Covid-19 noch nicht endgültig geklärt. Denn wie bei anderen Virusinfektionen könnte das Coronavirus noch nachweisbar sein, wenn der Patient eigentlich nicht mehr ansteckend ist, sagte Aberle am Freitag im Gespräch mit der Austria Presse Agentur.

Offen, wann Virus nicht mehr ansteckend ist
„Während der Infektion sinkt die Virusmenge in den Atemwegen. Zweitens entstehen Antikörper im Verlauf der Erkrankung. Die binden am Virus - der ist dann zwar noch nachweisbar, aber nicht mehr infektiös“, erklärte der Virologe. Wann das Virus nicht mehr infektiös ist, sei aber noch offen.

In Kürze dürften wissenschaftliche Forschungsergebnisse veröffentlicht werden, wonach Corona rascher nicht mehr ansteckend sein könnte als bisher angenommen. „Das könnte vielleicht eine Möglichkeit sein, die Leute früher (aus Krankenhäusern, Anm.) zu entlassen“, sagt Aberle. Womöglich könnte die Ansteckungsfähigkeit nach einer Woche nicht mehr gegeben sein.

Derzeit werden in Österreich Coronavirus-Patienten entlassen, nachdem sie zwei Mal negativ getestet wurden. „Das ist der Grund dafür, warum sie so lange als nicht gesund beziehungsweise geheilt erscheinen. Es ist aber auch wirklich wichtig, dass das so ist. Denn noch weiß man nicht, wie es wirklich ist mit der Ansteckungsfähigkeit. Vielleicht sind in der Phase, wo man schon Antikörper bildet, doch noch Übertragungen möglich.“ Vor allem seien lange Quarantänen wichtig, wenn es noch relativ wenige Fälle gebe und möglichst jede Übertragung verhindert werden solle, so Aberle.

Immunität nach Infektion?
Wie ist es mit einer Immunität, nachdem man mit dem Coronavirus infiziert war? „Es ist noch offen, ob man dann immun ist. Auszuschließen sind rasch folgende schwere Erkrankungen. Wir gehen davon aus, dass eine Immunität gegeben ist, die vor einer schweren Erkrankung schützt. Wir gehen auch davon aus, dass die Übertragbarkeit dann sinkt“, sagte der Wissenschaftler im Gespräch mit der Austria Presse Agentur. Es gebe andere Coronaviren (OC43, 229E), mit denen sich Erwachsene immer wieder anstecken können: „Aber sie erkranken nicht schwer.“ Das neue Coronavirus verändere sich auch nicht so rasch wie Grippeviren, betonte Aberle.

Aktuell werde in Österreich „streng geschaut, dass es keinen Ausbruch wie in Italien oder Wuhan gibt“. Die aktuellen Maßnahmen in Österreich gegen die Ausbreitung des Virus bezeichnet der Virologe als „gut um die Spitze abzuflachen. Aber wenn man die Spitze abflacht, geht es auch in die Breite“. Welche Maßnahmen werden längerfristig notwendig sein? „Das wird sich im Laufe des Aprils zeigen. Die warme Jahreszeit, in der die Übertragung von Viren schwieriger ist, könnte helfen. Dass gar keine Maßnahmen notwendig sein werden, glaube ich aber nicht.“

Die Mitarbeiter am Virologischen Institut der MedUni Wien haben derzeit naturgemäß alle Hände voll zu tun. Möglichst schnell werden möglichst viele Diagnosen geliefert. Dazu werden Proben aus anderen Laboren überprüft. Auch wird untersucht, welche Tests in welcher Phase der Corona-Krankheit am besten eingesetzt werden. Schnelltests für Covid-19 gibt es noch nicht, so Aberle.

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