26.03.2020 07:34 |

Hoffen auf Wärme

Bremsen hohe Temperaturen das Coronavirus?

Das Coronavirus SARS-CoV-2 ist in seiner Aktivität möglicherweise temperaturabhängig. Nach entsprechenden ersten Berichten über eine höhere Infektionsrate bei winterlichen Temperaturen hat der aus Österreich stammende Software-Unternehmer Alex Bäcker entsprechende statistische Abschätzungen durchgeführt. Sein Fazit: Hohe Temperaturen „bremsen“ den Auslöser der Lungenkrankheit Covid-19 offenbar wirklich.

„Es gibt eine heftige Debatte über den Effekt der Temperaturen auf die Übertragungsraten bei SARS-CoV-2“, schrieb der Auslandsösterreicher Bäcker, der in Pasadena mit seiner Firma QLess zum Beispiel Termin-Buchungssysteme entwickelt. Bereits zu Beginn der Covid-19-Epidemie hätten Forscher des renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) argumentiert, dass 90 Prozent der Covid-19-Infektionen in den verschiedenen Regionen innerhalb einer Temperaturbandbreite zwischen drei und 17 Grad Celsius stattgefunden hätten. Dazu hätte die Luft auch vergleichsweise trocken sein müssen.

Andere Abschätzungen hingegen hätten eher gegen einen solchen Effekt der saisonal bedingten Wetterlagen gesprochen, weil ja schließlich auch Länder in Südamerika und in anderen Breiten von SARS-CoV-2 ergriffen wurden. „Um Licht in die Sache zu bringen, habe ich mir die Zahl der Covid-19-Fälle in einer ganzen Reihe von Ländern zum 20. März als Funktion der Temperatur und der jeweils in einem Staat am stärksten betroffenen Stadt angeschaut“, so Bäcker.

Software-Experte ortet eindeutigen Trend
Was herauskam, war ein ziemlich eindeutiger Trend in Richtung immer weniger Orte mit mehr als 2000 Covid-19-Fällen in Abhängigkeit der herrschenden Temperaturen: Mehr Fälle unter zehn Grad Celsius, weniger über zehn Grad Celsius.

Der Softwarespezialist versuchte dann mit einer eigenen Berechnung einen etwaigen Zeitfaktor auszuschalten. Denn: es hätte ja sein können, dass SARS-CoV-2 in wärmeren Regionen als in China - zum Beispiel in Brasilien oder Australien - einfach später „eintraf“ und dort eben noch nicht genügend Fälle aufgetreten waren.

„Ich habe mir deshalb das Wachstum der Covid-19-Fälle ab dem ersten Tag mit mehr als 100 Erkrankungen an allen diesen Orten angesehen. Das Resultat war eine signifikant größere Wachstumskurve in Ländern mit niedrigeren Temperaturen“, schrieb Bäcker.

Hoffen auf ein warmes Frühjahr?
Auch hier zeigte sich eine stark temperaturabhängige Verbreitungskurve von SARS-CoV-2. „Das konnte man nicht mehr als ,historischen Zufall‘ betrachten“, zog der Software-Unternehmer seine Schlussfolgerungen und fügte hinzu: „Obwohl sich die Covid-19-Erreger offenbar in einem weiten Spektrum an Temperaturen verbreiten können (...), scheint es klar zu sein, dass höhere Temperaturen von 15 bis 30 Grad, die Wachstumsrate bei den Infektionen dämpfen.“ Das dürfte die These unterstützen, dass sich die SARS-CoV-2/Covid-19-Problematik mit wärmerer Jahreszeit zumindest abschwächen könnte.

Bäcker will seine Softwareprogramme auch einsetzen, um Warteschlangen und Menschenansammlungen zu vermeiden. Damit soll das „Social Distancing“, das die Ansteckungsgefahr verringert, wirkungsvoll unterstützt werden.

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