Eine 25-jährige Innsbruckerin und ihre Freundin (18) hatten im Jänner die Aufmerksamkeit der Polizei auf sich gelenkt. Das arbeitslose Duo verkaufte kiloweise Marihuana und Kokain. Doch anstatt zuzuschlagen, begannen unscheinbare und monatelange Ermittlungen vieler Tiroler Polizeibeamten.
"Es war echte Knochenarbeit", gesteht Tirols Polizeichef Helmut Tomac. Die Arbeit war auch deshalb so schwierig, weil es sich um atypische Verdächtige handelte. "Das waren alles ganz normale, völlig unbescholtene Bürger, die fast durchwegs einem anständigen Beruf nachgingen", ergänzt Innsbrucks Polizeichef Franz Birkfellner - aber die Beamten ließen nicht locker.
Am 13. Mai klickten die ersten Handschellen. Einer der Hauptdrahtzieher, ein bosnisch-stämmiger Tiroler (45), war gerade von einer Fahrt nach Holland zurückgekehrt. Mit vier Kilo Marihuana und 100 Gramm Kokain im Gepäck. Cobra-Männer bereiteten ihm einen unerwarteten Empfang, und dann fand die Polizei auch noch 55.000 Euro Bargeld.
Wenig später wurde die zweite Hauptperson des Drogenrings, eine 43-jährige Tirolerin, geschnappt. Sie war Büroangestellte und verschaffte sich durch Schmuggelfahrten ein Zusatzeinkommen. Die Fahrten machten die mutmaßlichen Haupttäter selbst oder sie organisierten sich Kuriere. "Die beiden haben aber nur an Großabnehmer verkauft", erklärt Ermittlungsleiter Martin Brunner.
Vorsichtige Schätzung: 600.000 Euro umgesetzt
Für den Straßenverkauf waren andere zuständig - etwa die beiden eingangs erwähnten Frauen. Dazu aber noch zwölf weitere Verkäufer - neben zwei Deutschen und einem Dominikaner alles unscheinbare Tiroler. Insgesamt verkauften sie Drogen im Wert von 600.000 Euro.
"Diese Schätzung ist aber sehr vorsichtig", ist sich Brunner sicher, dass weit mehr im Spiel war.
Bei den Ermittlungen konnte die Polizei auch noch an einer "Nebenfront" einen Erfolg verbuchen. "Wir stießen auf einen Argentinier, der in Deutschland wegen mehrerer Raubüberfälle gesucht wurde. Zudem plante er gerade einen weiteren Coup. Waffen und Munition hatte er sich schon besorgen lassen", erzählt Tomac.
von Stefan Ruef, Tiroler Krone
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