15.03.2020 11:00 |

Alessandro Hämmerle

„Habe Michela genauso umarmt, wie die anderen“

Mit seinem zweiten Saisonsieg - dem insgesamt zehnten seiner Weltcup-Karriere - krönte sich der Montafoner Alessandro Hämmerle beim Finale der Snowboardcrosser in Veysonnaz (Sui) zum zweiten Mal in Serie zum Gesamtweltcupsieger. Doch anstatt seinen Erfolg zu feiern, trat der 26-Jährige direkt nach der Siegerehrung die Heimreise ins Ländle an, wo er am Freitagabend gegen 23 Uhr ankam.

Alessandro, wie froh sind Sie, jetzt wieder zuhause in Vorarlberg zu sein?

Schon ziemlich! Die Ungewissheit, die wir vor Ort hatten, war doch sehr unangenehm. Bei den Schlagzeilen, aber auch den privaten Nachrichten, die ich bekommen habe, fragt man sich schon irgendwann, was los ist. Für mich ist es verständlich, dass einem diese Ungewissheit einige Angst machen kann.

War es richtig, dass man das Weltcup-Finale in Veysonnaz durchgezogen hat?

Für uns Sportler war die gesamte Situation extrem schwierig. Wir haben von den ganzen Sportveranstaltungen gehört und gelesen, die rund um den Globus gestrichen wurden. Für mich persönlich wäre die Absage unseres Finales kein Nachteil gewesen, da ich ja mit zehn Punkte Vorsprung in der Gesamtwertung angereist bin. Die Verantwortlichen des Internationalen Skiverbandes FIS haben darauf verwiesen, dass die Entscheidung über eine Absage nicht in ihrer Hand liege, sie sich nach den Vorgaben der Schweizer Regierung richten würden. Nachdem von dieser Seite bis Freitagmittag nichts in die Richtung gekommen ist, wurde schließlich gefahren. Die FIS-Leute vor Ort meinten zudem, dass eine Absage am Donnerstag oder Freitag ohnehin zu spät gewesen wäre, da der gesamte Weltcup-Tross ohnehin seit Dienstag gesammelt in Veysonnaz sei und somit keine präventive Wirkung mehr erzielt werden könne. So gesehen hat mich die Durchführung des Wettkampfes, auch wenn es ein komisches Gefühl war, dann nicht mehr sonderlich überrascht.

Konnten Sie sich in Anbetracht der gesamten Situation überhaupt noch auf das Rennen konzentrieren?

Nur schwer! Viele Athleten, besonders jene aus Italien, hatten die Ungewissheit wie es ihren Familien und Freunde zuhause geht. Dennoch mussten wir alle eines der wichtigsten Rennen unserer Karriere fahren. Auch meine Gedanken waren in der Nacht von Donnerstag auf Freitag nicht beim Rennen und meiner Chance auf den Gesamtweltcupsieg, sondern ganz woanders. In solchen Situationen realisiert man einmal mehr, dass es noch andere Dinge als den Sport gibt. Vielleicht hat mir das am Ende sogar geholfen, um etwas lockerer in den Renntag zu gehen.

Hatten Sie am Podest Berührungsängste, etwa mit den italienischen Athleten?

Überhaupt nicht! Wir waren ja seit den Rennen in der spanischen Sierra Nevada gemeinsam unterwegs. Gesamtweltcupsiegerin Michela Moioli, deren Opa seit drei Wochen in einer Klinik in Bergamo liegt, hat von mir genauso eine Umarmung bekommen, wie alle anderen auch.

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Den Gesamtweltcupsieg möchte ich erst dann feiern, wenn wir alle gemeinsam wieder Grund zum Feiern haben.

Boardercross-Gesamtweltcupsieger Alessandro Hämmerle

Wie geht es jetzt weiter?

Zuhause runterkommen, die Füße hochlegen. Meinen Gesamtsieg möchte ich erst dann feiern, wenn wir alle gemeinsam wieder Grund zum Feiern haben. 

Peter Weihs
Peter Weihs
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