03.03.2020 07:00 |

„Steirerkrone“-Serie

Hanna Rohn: „Das Mädchen- und Frausein feiern“

Hanna Rohn ist Sexualpädagogin. An den Schulen spricht sie mit Mädchen über Körperlichkeit, das Finden der eigenen Sexualität und warum man Frausein feiern sollte.

Hanna Rohn war Anfang 20, studierte gerade Gender Studies an der Uni Graz, als ein Kollege sie auf die Ausbildung zur Sexualpädagogin aufmerksam machte – sie war begeistert und absolvierte einen Kurs. „Das Meiste lernt man aber in der Arbeit mit den Mädchen. Gerade in der sexuellen Bildung kommt es darauf an, einen sicheren Rahmen zu kreieren, wo man gut an die Lebenswelt der jungen Menschen andocken kann“, sagt die 32-Jährige.

Seit ganzen zehn Jahren bietet Rohn nun schon sichere Räume für Mädchen im Teenageralter, in denen sie sich austauschen können. Wieso sie bei ihren Workshops für das Frauengesundheitszentrum an Schulen (fast) nur mit Mädchen arbeitet? „So kann man in der sensiblen Phase der Pubertät leichter über tabuisierte Themen sprechen“, erklärt Rohn.

Es geht häufig um Schönheitsideale
Und von denen gibt es genug: „Da geht es oft gar nicht nur um Sex, sondern da geht es ganz viel um körperliche Unsicherheiten, um Schönheitsideale und Leistungsdruck. Viele fragen sich: Bin ich richtig so, wie ich bin?“, erzählt Rohn. Auch der Druck, Erfahrungen zu machen, sei hoch. „Ich sage dann, dass in der Sexualität nichts ein Muss, sondern alles ein Kann ist.“

Einer der Gründe für den Druck seien Pornos, aber auch sexualisierte Inhalte, etwa in der Werbung. „Weil Mainstream-Pornografie sehr aus einem männlichen Blickwinkel inszeniert wird, bekommen Mädchen oft das Gefühl, dass man Sex eher für den Partner macht.“ Den eigenen Körper zu entdecken, sei für Mädchen ebenso viel schwieriger.

„Die weiblichen Geschlechtsorgane sind in kaum einem Schulbuch korrekt abgebildet. Das betrifft Infos darüber, was eigentlich Sex für Mädchen angenehm und schön macht. Dann braucht man sich nicht wundern, wenn sie wenig Zugang zur Lust oder sogar ein negatives Körperselbstbild haben.“

Zitat Icon

Ich sage den Mädchen nicht, wie sie leben sollen. Ich will nur, dass sie unabhängig ihre eigenen Entscheidungen treffen.

Hanna Rohn

Hanna Rohn versucht, die Tabus ein Stück weit zu brechen – indem sie offen mit den Mädchen spricht. „Ich glaube, dass sexuelle Bildung einen wichtigen Stellenwert einnimmt“, ist sie überzeugt.

Ob sie sich selbst als Feministin sieht? Ganz klar: Ja. „Im Feminismus geht’s darum, dass ich mein Leben so leben kann, wie ich es möchte. Das will ich auch im sexuellen Bereich tun. Mädchen- und Frausein feiern – darum geht’s auch.“

Hannah Michaeler
Hannah Michaeler
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