S-Bahn-Mord

Zeuge: Schläger berieten sich vor tödlicher Attacke

Ausland
14.07.2010 17:42
Am Mittwoch ist der Prozess um den Mord an Dominik Brunner am Münchner S-Bahnhof Solln fortgesetzt worden. Der 15-jährige Richard M., einer der Schüler, die Brunner beschützen wollte, belastete die beiden Angeklagten dabei schwer: Sie hätten sich nach einem ersten kurzen Kampf beraten, wie sie Brunner richtig zusammenschlagen könnten. Dann seien der damals 18-jährige Markus S. und der damals 17-jährige Sebastian L. gemeinsam auf den Mann losgegangen - einer von vorne, einer von der Seite.

Die beiden hätten Brunner dann auf dem S-Bahnsteig in eine Ecke zwischen Wartehäuschen und einem Geländer gedrängt. Dort sei der 50-Jährige unglücklich gestolpert, mit dem Kopf auf ein Geländer gekracht und zu Boden gegangen. Danach habe einer der beiden - der Beschreibung zufolge S. - weiter auf Brunner eingetreten. Auch L. habe sich beteiligt, allerdings weniger intensiv. Zudem habe L. später seinen Kumpan weggezogen, um ihn zum Aufhören zu bewegen. Insgesamt habe Brunner am Boden wohl 15 bis 20 Tritte abbekommen, so der Zeuge.

Dieser tödlichen Attacke sei bereits eine erste kurze körperliche Auseinandersetzung zwischen Brunner und den Angeklagten vorausgegangen. Brunner habe den Kindern, die S. und L. ausrauben wollten, in der S-Bahn Hilfe angeboten, und sei mit ihnen gemeinsam in Solln ausgestiegen. Die Angeklagten seien ihnen gefolgt. Auf dem Bahnsteig habe sich dann eine bedrohliche Situation entwickelt, berichtete der 15-Jährige.

"Herr Brunner hat sich vor uns gestellt"
Es sei klar gewesen, dass gleich etwas passiere, sagte M., schließlich seien die beiden ihnen gefolgt und hätten ihnen Schläge angedroht. "Der Herr Brunner hat sich dann vor uns gestellt." Die Angeklagten seien trotzdem drohend auf sie zugegangen. Wie genau es zum ersten Schlag kam, könne er heute nicht mehr sagen, erklärte der Zeuge. Er habe aber den Eindruck gehabt, dass Brunner zugeschlagen habe, um den beiden zuvorzukommen.

Nach dem ersten Schlag sei der Attackierte - offensichtlich S. - "total ausgerastet" und habe wild um sich geprügelt. Auch L. habe ihm dabei geholfen. Zu diesem Zeitpunkt habe Brunner die Schläge aber noch abwehren können, sagte M., er habe damals den Eindruck gehabt, der 50-Jährige sei den Angeklagten überlegen.

"Eine Schlägerei, bei der es kein Ende gab"
Daraufhin seien die beiden ein Stück zurückgetreten und hätten sich beraten, "weil sie sahen, das bringt so nichts". Kurz darauf hätten sie den zweiten, letztlich tödlichen Angriff auf Brunner gestartet. "Das war eine Schlägerei, bei der es einfach kein Ende gab", erklärte der 15-Jährige vor Gericht. Nach der Schlägerei sei Brunner noch einmal für einen Moment aufgestanden und habe etwas wie "Das war hart" gesagt. Dann sei der 50-Jährige zusammengebrochen.

Angeklagten bestreiten Mordabsicht
Die Anklage wirft S. und L. vor, Brunner aus Rache ermordet zu haben, weil er die Kinder schützen wollte. Beide gaben vor Gericht die Auseinandersetzung zu und äußerten zu Prozessbeginn ihr Bedauern. Sie beteuerten, sie hätten Brunner und die Kinder nicht angreifen und schon gar nicht töten wollen. Die Situation sei erst nach Brunners Schlag eskaliert. S. gab an, nach dem Schlag ausgetickt zu sein und sich nicht mehr genauer erinnern zu können. L. beteuerte am Dienstag, er habe weniger geschlagen und Brunner nicht mehr angegriffen, nachdem dieser am Boden gelegen sei (siehe Artikel in der Infobox).

Gewaltexzess dauerte nur 66 Sekunden
Die Spurenlage, die am Mittwochvormittag von einem der Ermittlungsbeamten vorgetragen worden war, kann bisher kaum helfen, diesen Widerspruch zu klären. So fanden sich an den Schuhen der Angeklagten keine DNA- oder Blutspuren, die eindeutig Brunner zugeordnet werden konnten. Den Zeitpunkt des tödlichen zweiten Angriffs konnten die Ermittler anhand von Handyanrufen dagegen exakt bestimmen: Demnach begann er um 16.10 Uhr und 51 Sekunden und endete um 16.11 Uhr und 57 Sekunden. Der Gewaltexzess dauerte demnach 66 Sekunden.

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