Schüler kollabiert

Hitzeschocks im ICE: Jetzt ermittelt die Polizei

Ausland
12.07.2010 08:12
Nach den Hitzeschocks in ICE-Zügen mit ausgefallenen Klimaanlagen ermittelt jetzt die Polizei gegen die Deutsche Bahn. Überprüft werde der Verdacht der fahrlässigen Körperverletzung und der unterlassenen Hilfeleistung durch das Zugpersonal, sagte eine Behörden-Sprecherin. Am Hauptbahnhof in Bielefeld war am Samstag ein ICE aus Berlin gestoppt worden, nachdem sich die Situation in dem überhitzten Zug dramatisch zugespitzt hatte.

Eine Gruppe von Schülern im Alter von 14 bis 16 Jahren befand sich auf dem Rückweg von einer Klassenfahrt. 27 von ihnen mussten nach einem Notstopp am Bielefelder Hauptbahnhof rettungsdienstlich behandelt werden, neun davon wurden in ein Krankenhaus eingeliefert, erklärte Feuerwehr-Einsatzleiter Hans-Dieter Mühlenweg.

"Das war wie in einer Sauna. Fünf Minuten später wären bestimmt alle kollabiert", schilderte ein 16-jähriger Schüler gegenüber dem "Westfalen-Blatt" den Vorfall. In dem Zug herrschten Insassen zufolge Temperaturen zwischen 40 und 50 Grad. Außer den Schülern erlitten auch ältere Menschen erlitten einen Hitzekollaps und lagen dehydriert in den Gängen. Eine verzweifelte Mutter versuchte, eine Fensterscheibe einzuschlagen, während sich der Zug in voller Fahrt befand. Bahnchef Rüdiger Grube entschuldigte sich am Sonntag telefonisch bei Schülern und Lehrern und drückte sein Bedauern aus. Die Bahn bot den Betroffenen eine Entschädigung an.

Defekt war bereits vor Notstopp in Bielefeld aufgefallen
Es sei bereits vor Bielefeld bekannt gewesen, dass die Klimaanlage in dem Zug defekt gewesen sei, sagte eine Sprecherin der Bundespolizei. Ein Zeuge habe sich bei einem Zugbegleiter gemeldet, nachdem er einen strengen Geruch nach verbranntem Gummi bemerkt habe. Der Zugbegleiter habe dann festgestellt, dass die Klimaanlage nicht mehr funktioniere. Der Zug sei aber trotzdem weitergefahren. Ob der Defekt bereits vor der Abfahrt in Berlin bemerkt worden sei, konnte die Sprecherin nicht sagen.

Deutsche Medien berichteten, an dem heißen Wochenende habe es in mindestens zehn der 252 ICE-Züge Probleme mit der Klimaanlage gegeben. Betroffen seien unter anderem die Verbindungen Duisburg-Köln, Berlin-Karlsruhe sowie Berlin-Amsterdam. Die Bundespolizei habe am Samstag beantragt, den ICE-Zug in Bielefeld zu beschlagnahmen. Dies habe die Staatsanwaltschaft als unverhältnismäßig bezeichnet und abgelehnt. Die Klimaanlagen der gesamten ICE-Flotte sollen bei der Frühjahrsinspektion gecheckt worden sein.

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