14.01.2020 16:56 |

Priester vor Gericht:

„Vier bis fünf Kinder pro Woche missbraucht“

In einem Prozess um Kindesmissbrauch durch einen früheren katholischen Priester in Frankreich hat der Angeklagte mit seinem Geständnis schockiert. Er habe als Leiter von Ferienlagern zeitweise „vier bis fünf Kinder pro Woche“ missbraucht, sagte der ehemalige Geistliche Bernard Preynat am Dienstag zum Auftakt seines Verfahrens in Lyon. Er gab sexuelle Übergriffe auf Knaben über einen Zeitraum von 20 Jahren zu.

„Für mich stellte es sich damals nicht als sexuelle Gewalt dar, sondern als Zärtlichkeit und Liebkosung. Aber ich habe mich getäuscht. Erst durch die Anklagen der Opfer habe ich verstanden“, sagte der heute 74-Jährige mit Verweis auf die Aussagen der Buben im Alter von damals sieben bis 15 Jahren.

Zehn Jahre Haft möglich
Der frühere Priester ist angeklagt, zwischen 1971 und 1991 als Leiter von Pfadfindergruppen Dutzende Burschen sexuell missbraucht zu haben. Nach seiner eigenen Aussage liege die Dunkelziffer aber deutlich höher. Gerichtspräsidentin Anne-Sophie Martinet äußerte sich schockiert über das Geständnis. Dem Angeklagten drohen zehn Jahre Haft, ein Teil der Taten ist bereits verjährt.

Als Zeuge sagte am ersten Verhandlungstag Francois Devaux aus, der den Prozess als Gründer eines Opferverbands mit ins Rollen gebracht hatte. Er berichtete von „Leid“ und „Wut“ über den Priester, der ihn missbraucht hatte. Als Heranwachsender habe er ein „sehr dunkles Leben“ geführt und einen Suizidversuch unternommen. Weil er den Geistlichen als „Verbindung zwischen Gott und den Menschen“ sah, habe er jahrzehntelang geschwiegen. Insgesamt treten zehn Opfer in dem Verfahren als Zivilkläger auf.

Kardinal musste zurücktreten
Die katholische Kirche Frankreichs hatte Preynat im vergangenen Juli seiner geistlichen Würden enthoben, gut vier Jahre nach Bekanntwerden der Missbrauchsvorwürfe. Der Fall führte zum Sturz des höchsten Geistlichen Frankreichs: Kardinal Philippe Barbarin trat als Erzbischof von Lyon zurück, nachdem ihn ein Gericht in erster Instanz schuldig gesprochen hatte, den Priester jahrelang gedeckt zu haben.

Im Zusammenhang mit dem Fall Preynat läuft derzeit auch das Berufungsverfahren gegen den Kardinal, der sich gegen seinen Schuldspruch wehrt. Die Staatsanwaltschaft hat auf Freispruch plädiert. Sie argumentiert, Barbarin könne nicht persönlich für „Fehler“ der katholischen Kirche haften. Das Urteil gegen den Kardinal soll am 30. Jänner in Lyon verkündet werden.

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