07.01.2020 09:52 |

Flexibler Schatten

Matrix-Technik: Bosch bringt digitale Sonnenblende

So praktisch eine Sonnenblende im Auto ist, um sich vor zu starker Blendung zu schützen, sie verdeckt doch oft zu viel oder zu wenig vom Sichtfeld des Fahrers. Bosch hat für dieses Dilemma nun eine Lösung auf der CES in Las Vegas vorgestellt: den sogenannten Virtual Visor.

Die Sonnenblende ist der „Oldie“ im Fahrzeuginnenraum, sieht heute fast genauso aus wie vor knapp 100 Jahren und fristet zumeist ein Schattendasein am oberen Rand der Windschutzscheibe. Blendendes Sonnenlicht verursacht mehr als doppelt so viele schwere Verkehrsunfälle wie Nebel, Glätte oder andere Witterungsbedingungen.

Zeit für etwas Neues am Fahrzeughimmel: Der Virtual Visor ist eine transparente digitale Sonnenblende, die im Prinzip wirkt wie die mittlerweile verbreiteten LED-Matrix-Scheinwerfer. Nur eben umgekehrt, weil nicht das Licht, das vom Auto abstrahlt, eingeschränkt wird, sondern das (Sonnen-)Licht, das den Fahrer trifft.

So funktioniert der Virtual Visor
Ein durchsichtiges LCD-Display wird mit der Insassenbeobachtungskamera verbunden, die die Position der Augen des Fahrers erkennt. Anhand intelligenter Algorithmen wertet die virtuelle Sonnenblende diese Informationen aus und verdunkelt auf dem Display ausschließlich den Teilbereich, in dem die Sonne den Fahrer blenden würde. Der Rest des Displays bleibt durchsichtig und der Blick auf die Straße frei.

„Schon früh im Entwicklungsprozess haben wir herausgefunden, dass viele Autofahrer die traditionelle Sonnenblende dauerhaft so einstellen, dass ihre Augen im Schatten sind,“ sagt Jason Zink, Technikexperte bei Bosch in Nordamerika und einer der Miterfinder des Virtual Visor. Somit ist der Sichtbereich des Fahrers durch traditionelle Sonnenblenden meist eingeschränkt.

Das Team um Jason Zink baute nach einer Konzeptphase erste Muster, um sich für eine interne Finanzierung ihres Projekts zu bewerben. „Wie bei vielen Ideen, die sich noch in einem sehr frühen Entwicklungsstadium befinden, hatten wir am Anfang kaum Geld und andere Ressourcen. Der erste Prototyp, den wir zur Präsentation unseres Konzeptes genutzt haben, entstand aus einem alten LCD-Bildschirm, den wir in einer Recyclingtonne gefunden hatten“, erzählt Zink. Ihre Idee und der erste Prototyp überzeugten: Das Team sicherte sich die Unterstützung von Führungskräften als Mentoren und entwickelte weitere immer ausgefeiltere Versionen des Systems.

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