Neuer Fahrplan und gleich neuer Ärger bei vielen Waldviertler ÖBB-Gästen. Denn dort sollen viele Pendler „gestrandet“ sein, weil die Nebenbahn nicht auf die Züge der Franz-Josefs-Bahn gewartet haben soll. Die ÖBB bedauern, sehen die Probleme aber nicht in wegrationalisierten Fahrdienstleitern.
Aufgebrachte Pendlermeldungen erreichten die „Krone“ am Dienstag: Denn gleich am ersten Werktag der neuen Fahrplanumstellung war es zu vielen Anschlussverlusten für Pendler in Richtung Horn gekommen. „Um 53 Millionen Euro wurde der Bahnhof umgebaut und jetzt fahren einem vor der Nase die Anschlusszüge nach Horn davon“, ärgerte sich etwa ein Fahrgast.
„Keine Gnade für Pendler nach Horn“
„Bis Oktober hat der Fahrdienstleiter auf die Pendler nach Horn noch g‘schaut, und die Züge haben immer zugewartet. Jetzt hat offenbar der Fahrdienstleiter in Wien keine Gnade mehr mit den Pendlern, die nach Horn fahren wollen. Der Anschlusszug ist bei Verspätung der Franz-Josefs-Bahn einfach weg!“, berichtet ein weiterer frustrierter Passagier.
Denn seit den Wegrationalisierungen von Fahrdienstleitern befinden sich diese nun nicht mehr vor Ort an den Bahnhöfen, sondern nur mehr zentral in Wien. Fahrgäste, die mehrmals pro Woche mit dem Zug die Strecke Horn – Wien und retour fahren, seien auf den Anschluss in Sigmundsherberg angewiesen.
Fahrdienstleiter wegrationalisiert
Mehrfach erreichten die „Krone“ zuvor bereits verärgerte Einzelmeldungen von ÖBB-Fahrgästen mit unterschiedlichsten Ärgernissen, die allesamt die Schuld in der Streichung von Fahrdienstleitern entlang der Franz-Josefs-Bahn sehen. Denn die Einsparung würde wieder einmal auf Kosten der Fahrgäste gehen. Das Ergebnis: Anschlusszüge würden einfach davonfahren.
Auch starke bauliche Erschwernis
Laut dem Sigmundsherberger Bürgermeister Franz Göd sollen aber auch bauliche Hemmnisse, die ein rasches Wechseln der Bahnsteige ermöglichen, für das Verpassen von Anschlüssen verantwortlich sein. „Wir haben das schon oft beanstandet, bisher wurde uns aber kein ausreichendes Gehör geschenkt.“ Die Züge sollen nicht mehr priorisiert auf Bahnsteig 1 – wie sogar angekündigt – oft auch nicht fahren. „Ältere, gebrechliche Personen oder Mütter mit Kinderwägen müssen den provisorischen Übergang mit zum Teil vereistem Geländer benutzen, die das zum Teil gar nicht ohne Begleitperson schaffen“, ersehnt Göd die angekündigte Fertigstellung der Aufzüge bis März. Laut dem Bürgermeister wäre damals der Bahnsteig 1 auch primär genutzt worden und nicht die viel schwieriger zur erreichenden anderen Bahnsteige. Mit neuem Fahrplan ist das jedoch wieder hinfällig.
ÖBB entschuldigen sich
Man wisse um das aufgetretene Problem in Sigmundsherberg und sei dabei, eine Besserung herbeizuführen. „In dem wir geringfügige Anpassungen vornehmen, um ein Abwarten bei geringen Verspätungen zu ermöglichen. Bei größeren Abweichungen vom Fahrplan ist es nicht möglich, Anschlusszüge warten zu lassen, da das komplexe Fahrplangefüge zerstört werden würde“, betont ÖBB-Sprecher Christopher Seif. Man bedauere die entstandenen Unannehmlichkeiten.
„Die Rückmeldungen unserer Fahrgäste sind für uns ein zentraler Input, bestehende Probleme zu lösen“, meint der ÖBB-Sprecher weiter. Klares Ziel neben der Priorität des sicheren Bahnverkehrs sei es, einen stabilen Fahrplan mit verlässlichen Umstiegsmöglichkeiten zu gewährleisten.
Kein Zusammenhang mit rationalisierten Fahrdienstleitern
Mit der örtlichen Situation von Fahrdienstleitern hätte dies aber grundsätzlich nichts zu tun. „Moderne Betriebsführungszentralen überwachen und steuern den Bahnbetrieb auf weiten Teilen des ÖBB-Netzes und übernehmen Zugverkehrssteuerung, Disposition – also Umleiten, Priorisieren und Störungsmanagement sowie Kundeninformation“, so Seif. Auch Kommunikation und Notfallmanagement sowie die Verschubkoordination seien zentral angesiedelt.
„Generell ist festzuhalten, dass der Fernsteuerungsbetrieb mehr Sicherheit, höhere Effizienz, bessere Qualität für Fahrgäste und eine modernere, ausfallsichere Infrastruktur bringt“, findet der ÖBB-Sprecher Argumente für die Veränderungen auf der Franz-Josefs-Bahn.
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