Rudd "weggemobbt"

Australien: Gillard nach Parteirevolte Regierungschefin

Ausland
24.06.2010 07:56
In Australien steht nach einer parteiinternen Revolte gegen Premierminister Kevin Rudd (links im Bild) erstmals eine Frau an der Regierungsspitze. Die Labor-Partei bestimmte Rudds Stellvertreterin Julia Gillard (rechts) am Donnerstag einstimmig zur neuen Parteichefin. Sie übernahm damit automatisch auch das Regierungsamt. Die 48-jährige Gillard soll Labor bei den Wahlen in diesem Jahr vor einer drohenden Niederlage retten.

Die ledige Juristin kommt vom linken Flügel der Partei und war lange in der Gewerkschaftsbewegung aktiv. Sie war in der Rudd-Regierung unter anderem für Bildung und Arbeit zuständig und hat sich erfolgreich für eine Bildungsreform und faire Löhne eingesetzt. Gillard wurde in Großbritannien geboren. Die Familie wanderte nach Australien aus, bevor sie in die Schule kam.    

Rudd verlor in den vergangenen Monaten in Umfragen massiv. Ihm wird unter anderem zu Last gelegt, dass er sein Wahlversprechen nicht einlöste, zum Klimaschutz einen Handel mit CO2-Zertifikaten einzuführen. In den vergangenen Wochen stieß er mit der geplanten Steuer auf Profite der Bergbau-Industrie auf heftigen Widerstand. Die Branche hat massiv dagegen protestiert, Investitionen im Milliardenumfang infrage gestellt und vor enormen Arbeitsplatzverlusten gewarnt.    

Steiler Aufstieg, tiefer Fall
Ex-Diplomat Rudd hatte mit seinem Wahlsieg 2007 die Ära John  Howard beendet. Sein konservativer Vorgänger war elf Jahre im Amt gewesen. Nach einem überzeugenden Wahlsieg galt Rudd zunächst auf Jahre hinaus als unschlagbar. Der Mann war zu Beginn seiner Amtszeit höchst populär, in diesem Jahr wendete sich jedoch das Blatt. Rudd ist damit der am kürzesten regierende Regierungschef Australiens seit 1972.    

Gillard hatte bis zuletzt loyal zu Rudd gestanden. Erst als sich am Mittwoch das Ausmaß der Unzufriedenheit mit Rudd abzeichnete, ließ sie sich aufstellen. Immer mehr Abgeordnete verweigerten dem Premier die Gefolgschaft, am Donnerstag auch Finanzminister Wayne Swan. Der Premier gab noch vor der Abstimmung auf, als sich abzeichnete, dass er keine Chance hatte.

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