Ça suffit! Es reicht! Madame ist erbost, werden ihre Qualitäten in Sachen Familienmanagement vom Göttergatten doch so gar nicht wahrgenommen. Während sie souverän die Strapazen des Alltags einer Mutter zweier Kinder meistert, feilt Monsieur an seiner Karriere im Baugewerbe. Was an sich fein ist, würde er nicht, sobald er abends seiner Limousine entsteigt, zum despotischen Besserwisser mutieren und alles bekritteln.
Madame, die einst dachte, einen echten Helden geheiratet zu haben, der Tag für Tag auf Mammutjagd für seine Familie geht, ist vom nörgelnden Ehemann zunehmend genervt, und eigentlich kommt sie sich vor wie beim Geheimdienst: Ihre Arbeit, das Pensum, das sie schafft, bleibt unsichtbar! Und unbedankt. Auch von den lieben Kleinen, tönt der Junior doch: "Mama, du bist eine echte Null!"
Madame Marceau und Monsieur Boon
Madame und Monsieur, das sind Ariane und Hugo, gespielt von Frankreichs populären Stars Sophie Marceau und Dany Boon, die als Paar in der Krise mit "Auf der anderen Seite des Bettes" über zwei Millionen Franzosen in die Kinos lockten. Eine rasante, herrlich turbulente Ehekomödie, Regie: Pascale Pouzadoux, in der sich offenbar viele Ehepaare wiedererkannten.
C'est fini alors? Bedeutet dies das Ehe-Aus? Mitnichten, denn kurz bevor das Beil der Beziehungsguillotine endgültig fällt, beschließen die beiden, für ein Jahr die Rollen zu tauschen, was von den Kindern mit blankem Entsetzen quittiert wird. Via Vertrag werden die neuen Pflichten sorgsam protokolliert. Und so findet sich Madame alsbald in führender Position in Hugos Unternehmen wieder, während Monsieur für die Kinder, den Haushalt und den Verkauf von Arianes Schmuckkollektion sorgt.
Rollentausch läuft aus dem Ruder
Nach kleinen Startschwierigkeiten mimt sie perfekt den Boss und macht gar dem Firmen-Beau ein unmoralisches Angebot, das dieser nicht ausschlägt. Hugo indes kämpft mit Einkauf, Wäschewaschen, Erziehung und verbranntem Braten, punktet aber bei Arianes Freundinnen und beweist Gespür fürs Dekorative in Sachen Bijoux. Doch dann läuft der Rollentausch erneut aus dem Ruder...
Mit Lust wird mit herkömmlichen Klischees jongliert, um diese gleich wieder zu parodieren. Manchmal reicht es eben nicht, nur von der einen Seite des Bettes auf die andere zu wechseln. Sophie Marceau punktet einmal mehr mit verführerischem Charme und komödiantischem Talent. Zuletzt hatte sie in „Lol“ als Mutter am Rande des Nervenzusammenbruchs brilliert. Unvergessen ihre kess-frühreife Performance in "La Boum" und in dem Bond-Streifen "Die Welt ist nicht genug".
Marceau: "Die Französin bleibt immer Verführerin. Sie lechzt geradezu danach, sich dem koketten Geschlechterkampf eines ganz normalen Arbeitstages zu stellen. Wer taxiert wird, und zwar nicht nur vom eigenen Mann, kann sich selbst besser einschätzen!" Das klingt nach einer richtigen Seitensprungstrategie!
"Nichts massiert eine Frau besser als Blicke fremder Männer"
Marceau: "Mais non, aber nein, das ist ein Spiel, es geht doch nur um die Lust an der Möglichkeit! Nichts massiert eine Frau besser als die Blicke fremder Männer - und potenzieller Liebhaber! Die meisten Ehebrüche passieren doch nur im Kopf - auch in Frankreich!"
Kann ein solcher Rollentausch eine Ehe wirklich retten? Marceau: "Pourquoi pas, warum nicht? Es ist doch so, dass viele Paare keine allzu genaue Vorstellung davon haben, wie der Arbeitstag ihres Partners abläuft. Jeder schuftet auf seine Weise. Und am Abend fühlen sich beide unverstanden! Das schürt die Aggression!"
Apropos. In "Auf der anderen Seite des Bettes" knallt Ariane ihrem Mann eine! Ist sie auch schon handgreiflich in Liebesdingen geworden? Marceau: "Ich kann mich nicht entsinnen. Aber ich kann sehr laut werden." Es geht also um Anerkennung. Marceau: "Es geht immer nur darum. Schon als kleines Mädchen will man den Vater becircen. Steigt er nicht darauf ein, ist dies die erste wirklich große Enttäuschung. Die Französin will einfach angebetet werden - und sei es nur vom Bäcker, bei dem sie die Croissants holt. Der ständige Flirt mit dem Leben macht sie so unwiderstehlich, n'est-ce pas?"
von Christina Krisch, Kronen Zeitung
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