08.11.2019 18:57 |

Mittels Mini-Kamera

Forscher blicken in das Grab von Friedrich III.

Im Jahr 2013 haben Experten einen Blick in das prunkvolle Grab von Kaiser Friedrich III. (1415 bis 1493) im Wiener Stephansdom riskiert. Das Ergebnis der langjährigen Analyse der Bilder und Proben ist für die an dem Projekt beteiligten Forscher aus historischer Sicht als „Sensation“ zu werten. Es handelt sich tatsächlich um das letzte unangetastete Kaisergrab Europas - inklusive Krone und feinstem Tuch.

Als im Jahr 1969 das Gerücht in Wien umging, dass das Grabmal des Vaters des heuer vor exakt 500 Jahren verstorbenen Kaisers Maximilian I. (1459-1519) vielleicht leer sei, rückte man in einer Art „Geheimaktion“ mit dem Bohrer an, sagte der Archivar der Dombauhütte zu St. Stephan, Franz Zehetner.

Bis heute hielten sich auch Beteiligte an der damaligen Aktion an einer Seitenwand des Hochgrabes im Apostelchor des Doms bedeckt. In der Folge war dann zwar klar, dass der im Jahr 1513 in das zu den wichtigsten Arbeiten der spätmittelalterlichen Kunstgeschichte zählende Grab übersiedelte Leichnam tatsächlich noch dort ist. „Näheres wurde damals aber nicht publiziert“, so Zehetner.

Hohlraum mittels Georadar untersucht
Nachdem sich die endgültige Bestattung Friedrichs III. vor sechs Jahren zum 500. Mal jährte, kam man im Zuge von Recherchen dahinter, dass es dieses 50 Jahre alte kleine Loch gibt. Bevor die Forscher im November 2013 einen erneuten Blick ins unbekannte Innere riskierten, „haben wir uns ein bisschen besser informiert als unsere Vorgänger in den 1960er-Jahren“. So untersuchte ein Team um den Archäologen Wolfgang Neubauer den Hohlraum mittels Georadar. Dabei erhielt man bereits überraschend viel metallische Resonanz. Es folgte der Einsatz von medizinischen Endoskopen, die vergoldete Schrifttafeln mit Lobpreisungen Friedrichs und Maximilians, und den eigentlichen Sarg aus verklebten, glasierten Keramikplatten und Textilien enthüllten.

Einblicke durch WLAN-gesteuerte Kamera
Mittels ausgeklügelter, durch das kleine Loch quasi eingefädelter Beleuchtung und Aufhängungen wurden dann Aufnahmen mit einer kleinen, WLAN-gesteuerten Kamera und einem Handy möglich, die trotz der äußerst beengten Verhältnisse einen erstaunlichen Überblick erlaubten. Unter den Umständen ist es „aus meiner Sicht ein Wunder, dass wir solche Aufnahmen haben“, sagte Franz Kirchweger, Kurator für mittelalterliche Kunst im KHM.

Mit den Bildern und vereinzelten Proben wendeten sich Zehetner und seine Forscherkollegen an die drei KHM-Kuratoren Katja Schmitz-von Ledebur, Heinz Winter und Franz Kirchweger. „Als der Laptop mit den Bildern aufgeklappt wurde, war das ein Gefühl wie es Howard Carter, der die Reichtümer im Grab von Tutanchamun erstmals sah, gehabt haben könnte“, sagte der Insignienexperte Kirchweger.

Krone, Zepter und Reichsapfel im Grab
Für den Forscher hielten die Fotos einige Highlights bereit, nämlich die aus einer überraschend kapitalen Krone, einem Zepter, einem Schwert und dem Reichsapfel bestehenden „Funeralinsignien“. Darüber hinaus fanden sich dort neben den Gebeinen Friedrichs III. noch offenbar eigens geprägte Münzen, ein großes Kruzifix mit einer Jesus-Statuette und verschiedene Textilien. Zu sehen waren sogar noch die Gurte, mit denen der Sarg vor über 500 Jahren bewegt wurde. Diese nun aufgefundene Situation sei „einfach einmalig“, sagte Zehetner.

Textilien sind in verblüffend gutem Zustand
Insgesamt verblüffend gut präsentierte sich der Zustand der Textilien, so Schmitz-von Ledebur, die im Hinblick auf das Projekt von einem „‘Once in a Lifetime‘-Moment“ sprach. Bei der Analyse der Aufnahmen und der entnommenen Stoffproben konnten drei Gewebetypen identifiziert werden. Womit der Leichnam selbst bekleidet ist, war nicht ersichtlich, da zwei große Bahnen aus kostbarem Samt mit Seiden- und vergoldeten Silberfäden aus italienischer Fertigung darüber liegen.

Frühestes erhaltenes Exemplar von „Mitrenkrone“
Die erstaunlich kunstvoll, vermutlich großteils aus vergoldetem Silber gearbeitete Krone entpuppte sich als frühestes erhaltenes Exemplar vom Typus „Mitrenkrone“, der für das Haus Habsburg in den folgenden Jahrhunderten charakteristisch werden sollte. Mit dem Zitat der Bischofsmütze (Mitra) später auch in der „Rudolfskrone“ (1602) spielte man auf die Salbung durch den Papst und die daraus abgeleitete „quasi geistliche Würde“ an, so Kirchweger.

Eine komplette Öffnung des Grabes sei halbwegs zerstörungsfrei jedenfalls nicht möglich. Darum bleibt dieser Blick in dieses so einzigartige Denkmal auf absehbare Zeit auch ein Exklusiver, so Zehetner.

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