Neben dem offiziellen Aufmarsch zur Eröffnung der Salzburger Festspiele zieht das Event auch jährlich einige hundert Schaulustige an. Doch nicht alle waren zwischen dem massiven Polizeiaufgebot und Absperrgittern wegen der Promis in der Hofstallgasse ...
„Ich bin jedes Jahr hier, aber heuer ist alles anders“, wirkt Margarethe Grallert aus Salzburg nachdenklich. Sie sitzt am Wilder-Mann-Brunnen in der Hofstallgasse. Sie schaut sich jährlich den festlichen Aufmarsch der Festspielgäste an, der sich zur offiziellen Eröffnung vor der Felsenreitschule bildet.
Was meint die Salzburgerin, dass heuer alles anders ist? Grallert: „Es ist so viel Polizei, aber das ist auch kein Wunder, wenn immer irgendwo etwas passiert. Mir kommt vor, die digitale Welt hat so viel zerstört – früher hatte man noch Respekt und Anstand, aber heutzutage gibt es das nicht mehr.“
Tatsächlich: Polizei, Drohnen, Militärpolizei, zivile Staatsschützer säumen den Festspielbereich. Hunderte Meter lange Absperrgitter halten Zaungäste in sicherer Entfernung von den Promis. Sicher fühlt sich Grallert trotzdem, aber: „Es ist schon ein mulmiges Gefühl dabei.“
Extra aus dem Pinzgau angereist
Ganz im Gegensatz zu Ernst und Angelika Reichholf. Das Paar ist extra zur Eröffnung aus dem Pinzgau angereist: „Wir sind das erste Mal hier und einfach neugierig, wie das so abläuft. Das muss man einfach einmal gesehen haben. Das Polizeiaufgebot passt schon, wir fühlen uns sicher.“
Das Rundherum ist spannend, wir kennen so ein Polizeiaufgebot aus Innsbruck nicht.
Cäcilia Augustin und Veronika Kröpfl
Der Blick auf so manche Promis aus Politik und Kunst, aus Gesellschaft und Wirtschaft hat die beiden angelockt, aber: „Drinnen sein wäre schon auch einmal interessant zu sehen, wie das so abläuft“, schmunzeln sie abschließend.
„So viel Polizei kennen wir aus Innsbruck nicht“
Weniger der Blick auf Promis hat Cäcilia Augustin und Veronika Kröpfl aus Innsbruck angezogen. Sie warten auf ihre „Promi“-Freundin, Annemarie Weißenbacher, die neue Direktorin der Paracelsus-Medizinischen Universität (PMU) Salzburg. Sie lachen: „Wir waren gestern bei einer Aufführung, heute schauen wir uns nur die Annemarie an. Das Rundherum ist spannend, wir kennen so ein Polizeiaufgebot aus Innsbruck nicht.“
Sehr wohl, mit viel Exekutiv-Präsenz vertraut, ist die Familie Lukas aus Pittsburgh in den USA. Sie erzählen: „Wir haben nur gesehen, dass viel los ist, wissen aber nicht, was. Wir sind so viel Polizei zu Hause leider gewohnt. Früher war das anders.“
„... die Edtstadler mal live sehen“
Wem die Polizei völlig egal ist, ist Stefan Krüger. Der Radfahrer aus dem benachbarten Saaldorf (D) ist auf dem Heimweg seiner wöchentlichen Sonntagsroute. Er erzählt: „Ich fahre immer nach Hallein, kaufe mir dort einen Kaffee. Dann nach Golling zum Duschen im Wasserfall. Und dann geht‘s nach Salzburg zum Essen. Ich komme nur nach Salzburg zum Radfahren, für ein Bosna und das Bier. Die Festspiele interessieren mich nicht so.“
Aber ganz so einfach ist es dann doch nicht. Auf „Krone“-Nachfrage, warum er dann doch so lange zuschaut, sagt er schlicht: „Ich würd' gern die Edtstadler (Anm. Karoline, Landeshauptfrau) mal live sehen, die taugt mir irgendwie.“
Im Trubel jedenfalls nicht zu übersehen: Der Protest der Gewerkschaft Vida. Mit Luftballonen ausgestattet treten die Gewerkschafter für faire Löhne in der Gastro ein. Eva Eberhart, Verhandlungsleiterin: „Wenn ich mir die Gastronomen rundherum so ansehe, dann geht es ihnen sehr gut. Da verdienen wir auch mehr.“
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