31.10.2019 14:08 |

Familie dealte

Gefängnisstrafe für Sohn, Bewährung für Eltern

In Salzburg hat sich am Donnerstag ein 24-jähriger Mann vor Gericht verantworten müssen, der während einer Strafe im elektronisch überwachten Hausarrest einen regen Handel mit Suchtgift betrieben haben soll. Weil er dabei durch die Fußfessel in seinem Bewegungsradius eingeschränkt war, hat der Salzburger den Verkauf vor allem vom Fenster, Balkon und Garten seiner Wohnung abgewickelt. Überhaupt half seine Familie tatkräftig bei den Suchtgift-Geschäften mit. Für den 24-Jährigen setzte es letztlich 20 Monate unbedingte Haft plus vier weitere Monate aus dem Widerruf einer bedingt nachgesehenen Strafe. Also zwei Jahre muss er absitzen. Für seine Mutter und den Papa setzte es eine Bewährungsstrafe. 

Laut Staatsanwaltschaft wurde der vielfach vorbestrafte Angeklagte bei seinen Geschäften tatkräftig von seiner Familie und von Freunden unterstützt. So soll seine Mutter (55) etwa Drogen angekauft und mit ihrem Auto transportiert haben, während der pensionierte Vater (60) den Vertrieb der Suchtmittel übernommen hat, wenn der Sohn in der Arbeit war. Die damals 17-jährige Freundin des Dealers und mehrere Bekannte übernahmen - teilweise gegen ein bis zwei Gramm Cannabis als Provision - ebenfalls Botengänge. Und auch der Bruder des 24-Jährigen soll sich selbst an den Drogen bedient haben.

Acht Angeklagte beim Suchtgift-Prozess

Darum war heute beim Prozessauftakt die Anklagebank gut gefüllt, einzig das Verfahren gegen die damalige Freundin wurde ausgeschieden und soll zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden. Der 24-Jährige erklärte heute, seit der Kindheit an ADHS und depressiven Episoden zu leiden und 2015 mit Drogen in Berührung gekommen zu sein. Er sei dann selbst süchtig geworden. Gewinn habe er mit seinen Geschäften aber nicht erzielt, er wollte mit dem Handel den eigenen Konsum finanzieren.

Dealen mit der Fußfessel

2018 wurde er wegen eines Körperverletzungsdeliktes verurteilt und bekam die Fußfessel - die er bis in den April 2019 trug. Während der letzten Monate im elektronisch überwachten Hausarrest sollen die Beschuldigten mindestens zwei Kilogramm Cannabis, mehrere hundert Ecstasy-Tabletten und eine geringe Menge Kokain erworben, verkauft und zum Teil selbst konsumiert haben.

Laut Verteidiger will Hauptbeschuldigter Therapie machen

Der 24-Jährige musste in den sieben Monaten mit Fußfessel zwar täglich einen Alkotest abliefern, wurde aber anders als vorgesehen kein einziges Mal auf Drogenkonsum getestet, bestätigte am Donnerstag ein Justizwachebeamter vor Gericht. Der Verteidiger des Dealers, Christoph Mandl, betonte: Sein Mandant wolle nun eine Therapie absolvieren, die beiden Eltern hätten damals aus falscher Loyalität zu ihrem Sohn gehandelt.

Unbedingte Haft für den 24-Jährigen

Richterin Nicole Haberacker bot zwei Botengängern eine Diversion an, die auch angenommen wurde. Bleiben die beiden zwei Jahre clean und fallen auch wegen anderen Delikten nicht auf, kommen sie ohne Vorstrafe davon. Alle anderen Angeklagten zeigten sich im Verfahren umfassend geständig, sie wollten sich aber vor Gericht nicht mehr zu den Vorwürfen äußern. Den 24-Jährigen verurteilte die Richterin zu insgesamt zwei Jahren unbedingter Haft. Seine Eltern bekamen Bewährungsstrafen zwischen 15 und 10 Monaten. Diese drei Urteile sind bereits rechtskräftig.

Antonio Lovric
Antonio Lovric
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