Missbrauch-Skandal
Ermittlungen gegen deutschen Erzbischof Zollitsch
Die Freiburger Staatsanwaltschaft hat deutschen Medien am Mittwoch laufende Ermittlungen gegen Zollitsch wegen "Beihilfe zum sexuellem Missbrauch von Kindern" bestätigt. Der während der Enthüllungswelle stets als "Saubermann" präsente Erzbischof soll in seiner Erzdiözese Freiburg einen einschlägig bekannten Priester nicht der Staatsanwaltschaft gemeldet haben.
Als damals zuständiger Personalreferent im Jahr 1987 habe Zollitsch stattdessen veranlasst, dass der katholische Pater in Birnau am Bodensee erneut angestellt wird, berichten die ARD und die Zeitung "Südkurier". Die Staatsanwaltschaft Konstanz hat die Ermittlungen übernommen, da die Haupttaten des Paters im dortigen Zuständigkeitsbereich begangen worden sein sollen. Die Anzeige gegen Zollitsch wurde laut Staatsanwaltschaft schon im Mai von einem Opfer erstattet. Die Vorwürfe gegen den Pater wurden erstmals 2006 vorgebracht, die Übergriffe sollen bis in die Sechzigerjahre zurückreichen. Es bestünde dabei allerdings die Möglichkeit der Verjährung, womit dann auch die Vorwürfe gegen Zollitsch - sollten sie sich erhärten - keine Konsequenzen hätten.
Erzdiözese: Vorwürfe "sensationsheischend"
Die Erzdiözese wies die Vorwürfe am Mittwoch als "sensationsheischend" zurück. "Die Erzdiözese Freiburg ist im Kontakt mit der Staatsanwaltschaft Freiburg, damit die Substanzlosigkeit der Vorwürfe gegen Erzbischof Zollitsch rasch dokumentiert werden kann. Das Ordinariat Freiburg hatte bereits [...] deutlich gemacht, dass es nach Bekanntwerden eines Vorwurfs gegen den beschuldigten Zisterzienserpater rasch gehandelt, den Orden eingeschaltet und den Orden auf die dann zu ziehenden Konsequenzen hingewiesen hat", so das Erzbistum in einer schriftlichen Stellungnahme.
Zollitsch habe als damals zuständiger Personalreferent der Erzdiözese "keinesfalls 1987 eine erneute 'Anstellung dieses Paters' in Birnau veranlasst". Eine weitere Anstellung beim Erzbistum Freiburg habe es nicht gegeben - wenngleich es "Hinweise darauf" gebe, dass der beschuldigte Pater erneut zur Klostergemeinschaft des Zisterzienserordens in Birnau gehörte. "Deren Zusammensetzung wird vom Abt des Ordens eigenständig geregelt", so das Erzbistum.
"Saubermann" und Kontaktmann zum Papst
Zollitsch, der unlängst mit der evangelischen Ex-Bischöfin Margot Käßmann aneinandergeraten war, nachdem diese die Anti-Baby-Pille ein "Geschenk Gottes" genannt hatte, war während der Aufdeckungswelle als eine Art Kontaktstelle zum Papst aufgetreten und als einer der innerkirchlichen Kritiker des Augsburger Bischofs Walter Mixa, dem er Ende April indirekt den Rücktritt nahelegte.
Als der Papst das Rücktrittsgesuch Mixas annahm, meinte Zollitsch, die Entscheidung gebe nun allen Beteiligten eine Chance zum Neuanfang: "Einen Neuanfang, den wir dringend brauchen." Die Vorgänge der jüngsten Zeit hätten die katholische Kirche in Deutschland sehr belastet, sagte Zollitsch. "Der Verlust der Glaubwürdigkeit wiegt schwer." Umso wichtiger sei es, den eingeschlagenen Weg der Erneuerung fortzusetzen. "Wir wollen den Weg der inneren Heilung, Beruhigung und des Neuanfangs gehen."
Zu den Missbrauchs-Vorwürfen meinte er einmal: "Es erschüttert uns, welches Leid den Opfern zugefügt wurde, die oft über Jahrzehnte hinweg ihre Verletzungen nicht in Worte fassen konnten."
Mixa bemüht sich in Rom um Teilrehabilitation
Der zurückgetretene Augsburger Bischof Walter Mixa besuchte unterdessen den Vatikan. Laut "Süddeutscher Zeitung" soll er sich vor der Bischofskongregation um eine Teilrehabilitation bemüht haben, nachdem sich Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs bei den Ermittlungen gegen ihn als gegenstandslos erwiesen. Das Augsburger Ordinariat bestätigte am Mittwoch die Romreise, ohne nähere Angaben zu machen. Anschuldigungen, Mixa habe als Stadtpfarrer von Schrobenhausen in den Jahren 1975 bis 1996 Heimkinder massiv geprügelt und Stiftungsgeld zweckentfremdet, wurden inzwischen erhärtet, sind aber verjährt.
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