Blutbad in Pakistan

Überfälle auf Moscheen: Schon über 90 Tote

Ausland
29.05.2010 12:26
Die Zahl der Todesopfer nach den Anschlägen von Extremisten auf zwei Moscheen in der ostpakistanischen Stadt Lahore am Freitag ist mittlerweile auf 93 gestiegen. 13 der mehr als 80 Verletzten seien in der Nacht zum Samstag im Krankenhaus gestorben, teilte die Ahmadiyya-Gemeinde, der die Angriffe galten, am Samstag mit. Den Angehörigen der Minderheit wird in Pakistan abgesprochen, Moslems zu sein. Zu der Tat bekannten sich Taliban-Milizen.

Die Angreifer warfen nach Aussagen von Zeugen zunächst Handgranaten in die Moscheen in den Stadtteilen Model Town und Gardhi Shahu. Dann eröffneten sie das Feuer auf die Gläubigen. Einige sollen auch Sprengstoffgürtel getragen und sich selbst in die Luft gesprengt haben. Die Polizei in Lahore konnte etwa 2.000 Menschen aus den beiden Moscheen befreien. Mindestens vier Terroristen seien verletzt worden; zwei wurden festgenommen, darunter ein Jugendlicher. In Fernsehaufnahmen war einer der Extremisten zu sehen, wie er von einem Minarett aus auf die anrückende Polizei feuerte.

Die Islamisten warfen den "Ahmadis" in einem Bekennerschreiben vor, Mohammed nicht als Propheten anzuerkennen, gegen den Heiligen Krieg zu konspirieren und gemeinsame Sache mit Juden zu machen. Der Angriff sei die letzte Warnung an die Minderheit, Pakistan zu verlassen. Anderenfalls würden sie sterben.

Im Jahr 1889 gegründet
Die "Ahmadiyya-Muslim"-Bewegung ist eine 1889 gegründete islamische Religionsgemeinschaft, die jegliche Gewalt ablehnt. Sie hat weltweit bis zu 15 Millionen Anhänger. In Pakistan leben mehrere Millionen. Ihre Grundsätze weichen von denen anderer Muslime ab: Unter anderem gehen sie davon aus, dass Jesus die Kreuzigung überlebte und in Kaschmir starb. Pakistan ist der einzige islamische Staat, der die Ahmadi nicht zu den Muslimen zählt. Zudem hat das Land die Rechte der rund vier Millionen Ahmadis durch Gesetze eingeschränkt.

Eine Ahmadiyya-Gemeinde gibt es auch in Österreich. Sie zählt 78 Mitglieder, heißt es auf einer Internetseite. Seit dem Jahr 1992 gibt es eine Ahmadiyya-Gemeinde in Wien. Ahmadis leben und arbeiten aber auch in Graz, St. Pölten, Salzburg, Oberösterreich und der Steiermark.

Glauben darf in Pakistan nicht ausgelebt werden
Pakistan ist immer wieder Schauplatz religiös motivierter Gewalt. Viele pakistanische Ahmadis sind nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen in westliche Länder geflüchtet. Obwohl es in Pakistan gesetzlich Religionsfreiheit gibt, dürfen Ahmadis ihren Glauben dort nicht ausüben.

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