„Man glaubt uns nicht“

Max Lercher fordert Neugründung der SPÖ

Steiermark
30.09.2019 15:32

Der frühere SPÖ-Bundesgeschäftsführer und Vorgänger des am Montag zurückgetretenen Thomas Drozda, der Obersteirer Max Lercher, hat Montagmittag einen Reformparteitag, ein „neues Hainfeld“, gefordert. Lercher sprach in einem Facebook-Posting von einer für die SPÖ katastrophalen Nationalratswahl: „Heute ist aber auch der Tag, um Klartext zu reden.“

„Nie hatten wir weniger Zuspruch, noch nie hatten wir ein schlechteres Ergebnis, nie war der Abstand zur ÖVP größer in der Zweiten Republik. Es ist offensichtlich, dass wir ein massives Glaubwürdigkeitsproblem haben. Man glaubt uns nicht mehr, was wir sagen“, so der Murauer, der ähnliche Töne schon am Wahlabend angeschlagen hatte.

„Die SPÖ braucht eine massive Veränderung, wir brauchen einen Systemwechsel. Es darf kein Weiter-so-wie-bisher mehr geben. Wir müssen aufhören, unseren eigenen Untergang zu verwalten. Wir brauchen einen Reformparteitag zur inhaltlichen Neubestimmung und wenn man so will, muss dort eine Neugründung der Sozialdemokratie stattfinden. Ein zweites Hainfeld (der Gründungsparteitag der SPÖ 1888/89, Anm.). Denn noch mehr solche Niederlagen können wir uns nicht leisten“, so Lercher, der einst vom früheren steirischen Landeshauptmann Franz Voves mit einer steirischen Parteireform beauftragt worden war.

Max Lercher (Bild: Jürgen Radspieler)
Max Lercher

„Endlich echte Mitbestimmung“
Er sage seit Langem „offen und ehrlich“, dass „wir uns verändern müssen. Wir müssen uns öffnen für die Vielen, die so lange schon nicht mehr gehört werden und die wir nicht mehr erreichen. Wir müssen endlich echte Mitbestimmung zulassen und unsere Mitglieder über ihre Partei mitbestimmen lassen. Wir leben im 21. Jahrhundert und das müssen wir als Partei endlich akzeptieren“, erklärte er. Am Land außerhalb der großen Städte werde die SPÖ kaum noch irgendwo im größeren Ausmaß gewählt.

Mit eiserner Miene verfolgte Lercher am Sonntag die erste Hochrechnung in der steirischen SPÖ-Zentrale. (Bild: Sepp Pail)
Mit eiserner Miene verfolgte Lercher am Sonntag die erste Hochrechnung in der steirischen SPÖ-Zentrale.

Einen schonungslosen Befund nahm Lercher auch in Hinblick auf die eigentliche Kernklientel vor: Arbeiter würden mittlerweile zwischen ÖVP und FPÖ wechseln, die SPÖ habe für sie oft kein Angebot. „Entweder wir schaffen hier wieder ein glaubwürdiges Angebot, oder unsere stolze Partei versinkt in der Bedeutungslosigkeit“, so Lercher, der das Posting mit „Freundschaft!“ schloss.

Viele in der SPÖ schwärmen von Lercher - er sei ein „authentischer“ Vertreter der Arbeiterschaft, der Steirer hatte sich selbst auch schon als „Prolet“ bezeichnet. Als ÖVP und FPÖ in der Vorwoche im Nationalrat ein Aus für die Betriebskrankenkassen an mehreren Voestalpine-Standorten in der Obersteiermark beschlossen, stand Lercher tags darauf um 4 Uhr früh vor den Werkstoren und redete mit den Schichtarbeitern.

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