Illegale Absprachen?
Razzien bei RTL und ProSiebenSat.1 wegen Pay-TV
Zudem sollen die beiden größten deutschen Privat-TV-Konzerne technische Maßnahmen abgesprochen haben, um die Nutzung der Programme einzuschränken. Dazu zählten etwa Kopierschutzfunktionen. Den Unternehmen drohen empfindliche Geldbußen, wenn sich der Verdacht der Wettbewerbshüter bestätigen sollte.
Sprecher von ProSiebenSat.1 und RTL bestätigten die Razzien, wollten aber unter Verweis auf die laufenden Ermittlungen keine weiteren Details nennen. Die Sendergruppen aus München und Köln teilen den milliardenschweren deutschen TV-Werbemarkt beinahe komplett unter sich auf. Beide haben bereits kleinere PayTV-Sender im Angebot, meist Spartenkanäle für Krimi- oder Serienfans.
Aktienkurse eingebrochen
Die Aktien von ProSiebenSat.1 verloren am Mittwoch bis Handelsende zehn Prozent. Die Titel der RTL Group in Luxemburg gaben um 1,3 Prozent nach. Zur RTL Group gehören neben der RTL Deutschland auch noch viele weitere Sender in ganz Europa. Zu RTL Deutschland selbst gehören die Sender RTL II, Super RTL, VOX und n-tv. Mit Werbefenstern ist RTL auch in Österreich aktiv.
Zu ProSiebenSat.1 gehören in Deutschland u.a. die Sender kabel eins, N24 und 9Live. Mit Puls4 und für den Werbemarkt adaptierten Austria-Varianten seiner Sender ist die AG auch in Österreich aktiv.
Nach den massiven Einbrüchen bei den Werbegeldern im Krisenjahr 2009 kündigte der ProSiebenSat.1-Konzern an, bald für einige Fernsehkanäle Geld von den Zuschauern verlangen zu wollen. Seit einiger Zeit bieten ProSiebenSat.1 und RTL ihre Programme in besserer Bildqualität auf der Satelliten-Plattform "HD Plus" an - zunächst noch gratis, bald aber gegen Bezahlung.
Beide Konzerne bereits "Razzia-erprobt"
Razzien des Kartellamts sind für die Sender RTL und ProSiebenSat.1 nichts Neues. 2007 hatten die Kartellwächter die Werbezeitverkäufer von RTL und Pro7 durchsucht. Am Ende des Verfahrens standen hohe Geldstrafen. ProSiebenSat.1 überwies dem Kartellamt 120 Millionen Euro, RTL zahlte für die Vermarktungspraktiken der Tochter IP Deutschland ein Bußgeld von 96 Millionen Euro.
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