Kaczynski-Absturz

Neue Spekulationen um Landebefehl des Präsidenten

Ausland
19.05.2010 14:28
Fünf Wochen nach dem tödlichen Flugzeugabsturz in Russland, bei dem der polnische Präsident Lech Kaczynski und 95 weitere Personen ums Leben gekommen waren, hat die bilaterale Untersuchungskommission MAK erste konkrete Ergebnisse vorgelegt. Neben der Mitschuld der Piloten gilt nun auch als sicher, dass Personen, die nicht zur Crew gehörten, im Cockpit anwesend waren. Das heizt erneut Spekulationen an, wonach Kaczynski selbst den Piloten den Befehl zur Landung trotz des dichten Nebels gegeben haben könnte.

Die Untersuchungen hätten eindeutig ergeben, dass auch Personen, die keine Crew-Mitglieder waren, im Cockpit gewesen seien, erklärte Tatjana Anodina vom russischen Luftfahrtkomitee (IAC) am Mittwoch in Moskau. Eine Stimme der im Cockpit zusätzlich Anwesenden sei "eindeutig identifiziert" worden, bei den übrigen bedürfe es noch zusätzlicher Informationen aus Polen, sagte die Leiterin der Untersuchungskommission. Wer im Cockpit war und worum sich die Gespräche drehten, wollte sie zunächst nicht sagen.

Kein Brand, kein Defekt und kein Attentat 
Weiterhin habe die Untersuchung ergeben, dass "weder ein technischer Ausfall, noch eine Explosion oder ein Brand" an Bord für das Unglück verantwortlich gewesen seien, so Anodina. Auch ein Attentat oder ein Problem mit den Motoren könne ausgeschlossen werden.

Die Ergebnisse hätten vielmehr die Vermutung bestätigt, dass die Piloten alle Warnungen vor dichtem Nebel ignoriert und trotzdem versucht hatten, die Maschine vom Typ Tupolew TU-154 auf dem Flughafen der Stadt Smolensk zu landen. Der Fluglotse habe die Besatzung "zweimal gewarnt", dass der Flughafen von Smolensk im Nebel liege und die Sichtweite nur rund 400 Meter betrage, sagte Alexej Morosow, Cheftechniker des IAC. 

Tupolew streifte Baum bei Landeanflug
Bei der Landung habe die Tupolew dann einen Baum gestreift, worauf die Piloten die Kontrolle über das Flugzeug verloren hätten, so Morosow. Erschwerend sei hinzugekommen, dass die Flugzeugkapitäne nicht besonders flugerfahren gewesen seien und in Polen kein spezielles Krisentraining erhalten hätten, erklärte Anodina.   

96 Tote bei Absturz am 10. April
Die Präsidentenmaschine mit Kaczynski, dessen Frau und 94 weiteren Menschen an Bord war am 10. April abgestürzt. Niemand überlebte. Die Delegation, darunter Kaczynskis Frau, war auf dem Weg zu einer Gedenkfeier im westrussischen Katyn, dem Ort eines sowjetischen Massakers an 22.000 Polen im Frühjahr 1940.

Unmittelbar nach der Katastrophe waren Spekulationen laut geworden, Präsident Kaczynski könnte Druck auf die Piloten ausgeübt haben, trotz des Nebels zu landen. Der Grund dafür könnte gewesen sein, dass die Delegation nicht zu spät nach Katyn kommen wollte - nach Angaben der Ermittler war die Maschine schon mit deutlicher Verspätung in Polen gestartet.

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