10.09.2019 10:00 |

Zu leichtfertig

Bergdramen oft Folge von „Beratungsresistenz“

Ein verheerendes Wochenende in den Tiroler Bergen liegt hinter uns: Drei Tote und zahlreiche Such- bzw. Bergeeinsätze, weil sich Wanderer bzw. Bergsteiger unnötig in Gefahr brachten, lautet die Bilanz. Mehrfach waren auch Mitglieder des Deutschen Alpenvereins (DAV) betroffen. Der Trend, dass überforderte Alpinisten unverletzt geborgen werden müssen, wird beim DAV seit rund zehn Jahren registriert. Tendenz steigend!

Eigentlich ist die Zahl der Bergtoten in diesem Jahr nicht merklich höher als 2018. Seit 1. Mai kamen heuer 36 Menschen in den Tiroler Bergen ums Leben, im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es 34. Und im Verhältnis zur stetig steigenden Mitgliederzahl bei den alpinen Vereinen nimmt die Zahl der tödlichen Unfällen relativ ab. „Ungefähr 40 DAV-Mitglieder verunglücken pro Jahr tödlich am Berg“, sagt Stefan Winter, Ressortleiter Sportentwicklung beim DAV. Derselbe Trend sei bei den Verletzten festzustellen und gelte auch für den Österreichischen Alpenverein (ÖAV).

Wanderer überschätzen sich heillos
Das vergangene Wochenende - darunter etwa das Alpindrama auf der Wildspitze - zeigte freilich einen Trend auf, den die Experten schon seit vielen Jahren feststellen: Wanderer bzw. Bergsteiger brechen bei Wind und Wetter auf, überschätzen sich heillos und zeigen sich „beratungsresistent“, wenn Experten vor widrigen Wetterverhältnissen warnen - und müssen dann geborgen werden. Dazu zählten zuletzt sehr viele deutsche Gäste, gleichzeitig Mitglieder des DAV.

„Ich würde das Problem nicht an der Nationalität aufhängen“, meint Stefan Winter. „Unsere Sektionen bieten den Mitgliedern eine fundierte Ausbildung und so die wirksamste Form von Prävention.“ Die alpinen Vereine würden keine Mitverantwortung tragen.

Produkt „Bergsteigen“
Das Produkt „Bergsteigen“ erfuhr in den vergangenen Jahren eine äußerst intensive Vermarktung durch Industrie und Tourismus. Die sozialen Medien tragen laut Winter ebenfalls dazu bei, dass die Zahl der Outdoorfans stetig zunimmt. Hochglanzbilder suggerieren außerdem vermeintliche Sicherheit in den Bergen.

„Die Leute vertrauen dann auf ihre topmoderne Ausrüstung und sind leichtfertig, was ihr Können anbelangt“, meint Winter. Von Leichtsinn will er jedoch nicht sprechen. Der DAV bemühe sich stets, die Mitglieder zu sensibilisieren.

Ausrüstung kann zur Last werden
Die Ausrüstung kann freilich auch zur Last werden. Hermann Spiegl, Landesleiter der Tiroler Bergrettung, warnt: „Wenn ich die Ackerlspitze mit Gepäck für eine ganze Woche überquere, stellt das den Körper vor eine ganz andere Herausforderung, als hätte ich nur einen Tagesrucksack dabei.“ Da nützt dann die ganze Tourenplanung nur wenig.

Peter Freiberger
Peter Freiberger
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