AvW-Affäre

Neuer Verdacht: “Die Kurse waren hausgemacht!”

Kärnten
07.05.2010 09:50
Man nehme einen wohl klingenden Namen, ein vertrauenserweckendes Äußeres und verspreche Superrenditen: So hat Wolfgang Auer von Welsbach über 12.000 Anlegern Genussscheine seiner AvW verkauft. Die Kurse dafür sollen hausintern festgesetzt worden sein – "gegen jeden logischen Denkvorgang", so der Gutachter.

Die 800-Seiten-Expertise von Fritz Kleiner zerreißt die AvW-Geschäfte sprichwörtlich in der Luft. Was immer Staatsanwalt Christof Pollak strafrechtlich auch daraus macht, ob der inhaftierte Auer von Welsbach wegen Betrugs, Untreue, betrügerischer Krida oder Marktmanipulationen angeklagt wird  – es scheint, als wäre Welsbachs Arbeit seit Jahren auf einem Schwindel aufgebaut.

Da wäre etwa der Wert der Genussscheine – jene Papiere, mit denen Kunden einen Anteil am Ertrag der AvW erwarben. Diese waren zwar an der Frankfurter Börse notiert, die Kurse seien aber simpel monatlich in Krumpendorf festgesetzt worden, unabhängig von den realistischen Marktentwicklungen.

Mit Phantasiezahlen jongliert
So hatten Börseturbulenzen keine Auswirkungen; die Anleger durften sich Jahr für Jahr über Steigerungen von 13 Prozent freuen. Für Kleiner "sind die Genussscheinkurse in keinster Weise mit der Substanz der AvW in Einklang zu bringen". Kurz: Da wurden offenbar Phantasiezahlen präsentiert; hätten sich mehr Anleger von ihren Papieren getrennt als neue Kunden gewonnen werden konnte, wäre die AvW vermutlich wohl schon viel früher zusammengebrochen.

Seit Dienstag ist vom Finanzdienstleister sowieso nicht mehr viel übrig: Der Betrieb wurde eingestellt; der Konkurs läuft, bis 30. Juni können die Gläubiger ihre Forderungen einbringen. Die Justiz hat nun zudem, wie AvW–Anwalt Franz Großmann bestätigt, das gesamte Vermögen beschlagnahmt – Immobilien, Liegenschaften, Stiftungen in Liechtenstein. Jetzt wird gerechnet, wie viel da ist.

von Kerstin Wassermann, "Kärntner Krone"

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