14.09.2019 06:00 |

krone.at-Test

Lenovo Yoga S940: Edel-Laptop mit 4K-Bildschirm

Eigentlich kannte man die Yoga-Reihe von PC-Marktführer Lenovo bisher wegen 360-Grad-Notebooks, neuerdings entstammen ihr aber auch ordinäre Laptops ohne Spezialscharnier. Wobei „ordinär“ beim Yoga S940 das falsche Adjektiv ist, immerhin handelt es sich um einen 2000 Euro teuren Edel-Laptop mit Alu-Chassis und 4K-Display. Wie gut er geworden ist, hat krone.at getestet.

Lenovo verspricht viel bei seinem nur 1,2 Kilo schweren neuen Edel-Laptop, der es mit Rivalen wie dem Dell XPS 13 oder Apples Macbook Pro 13 aufnehmen soll: Das 4K-HDR-Display soll mit besonderer Helligkeit punkten, das Chassis mit sauberer Verarbeitung und einer zur Kante hin abgerundeten Glasscheibe vor dem Display, die an die Bildschirme teurer Smartphones erinnert.

Was Lenovo konkret im Yoga S940 verbaut, sehen Sie hier:

Lenovo Yoga S940

CPU

Core i7-8565U: 4 x 1,8 GHz

RAM

16 GB DDR3

Diagonale

14 Zoll (IPS, HDR)

Auflösung

3840 x 2160 Pixel

Massenspeicher

512 GB - 1 TB SSD (m.2 PCIe)

Optisches Laufwerk

nicht vorhanden

Grafiklösung

Intel HD Graphics 620

Anschlüsse

3 x USB-C, 3,5-mm-Klinke

Funkstandards

Gigabit-WLAN, Bluetooth 5.0

Webcam

1 Megapixel, IR

Akku

6755 mAh

Software

Windows 10 Home

Extras

„Windows Hello“-Kamera
„Dolby Atmos“-Lautsprecher

Gewicht

1,2 Kilo

Preis

1800 - 2000 Euro

Im österreichischen Handel ist aktuell nur die 4K-Version des Yoga S940 zu bekommen - wahlweise mit 512 Gigabyte oder einem Terabyte SSD-Speicher. Eine günstigere Full-HD-Version mit i5-CPU um 1700 Euro gibt es ebenfalls, die ist zur Stunde allerdings nur direkt beim Hersteller zu bekommen.

In puncto Leistung hinterließ das Yoga S940 im Test einen soliden Eindruck: Der schnelle Vierkern-Chip, der üppige RAM und die flotte SSD tragen dazu bei, dass das Gerät sehr schnell hochfährt und Anwendungen startet, beim Multi-Tasking nicht aus dem Trott kommt und auch genug Power für die Wiedergabe von 4K-Inhalten bietet - nicht schlecht, wenn man schon ein 4K-Display hat.

Genug Power für Office- und Multimedia-Apps
Für mehr als Office- und Multimedia-Tätigkeiten sowie Internetsurfen ist das Gerät allerdings trotz i7-Chip eher nicht geeignet. Für anspruchsvollere Games und Videoschnitt mangelt es an Grafik-Power, wer ernsthaft Bildbearbeitung betreiben will, wird sich ein größeres Display wünschen. So gesehen hätte es auch ein i5-Prozessor getan - und den Preis vielleicht ein wenig niedriger gehalten.

Jagt man das Yoga S940 durch die gängigen Benchmark-Belastungstests PC Mark 10 und 3D Mark Timespy, erzielt das Gerät - bei eindeutig am Gehäuse spürbarer Hitzeentwicklung, aber trotzdem angenehm leisem Lüfter - 3227 Punkte im PC-Mark- und 496 Punkte im 3D-Mark-Test. Das bestätigt die gute Office-Leistung und die geringe Spieleleistung noch einmal.

Tolles 4K-Display: Fluch und Segen zugleich
Das Display des Yoga S940 ist Fluch und Segen zugleich. Fluch, weil es die Akkulaufzeit massiv nach unten drückt. Der Hersteller selbst gibt auf seiner Website für die 4K-Version des Geräts eine Laufzeit von 7,5 Stunden an, die unserer Erfahrung nach in der Praxis auch zu erreichen ist.

Das Full-HD-Modell soll mit einer Akkuladung aber 17 Stunden durchhalten - ein gewaltiger Unterschied. Da wird manch Interessent gut überlegen müssen, ob das - vom Bild her tatsächlich formidable - 4K-Display diese Einschränkung bei der Mobilität wert ist.

Der leider nicht allzu weit aufklappbare fast randlose IPS-Bildschirm ist superscharf, bietet eine schöne Farbdarstellung, ist auch bei seitlicher Betrachtung gut ablesbar und zählt tatsächlich zu den hellsten 4K-Displays, die wir bislang in einem Laptop gesehen haben.

Dass Lenovo ihn hinter an den Rändern gebogenem Glas verbirgt, obwohl er gar kein Touchscreen ist, hat allerdings den unangenehmen Nebeneffekt, dass in hellen Arbeitsumgebungen oder draußen Spiegelungen auftreten. Das 16:9-Bildformat ist gut für den Konsum von Videos geeignet, bei der täglichen Arbeit könnte manch ein User aber den Wunsch nach einem 3:2-Display mit mehr Arbeitsfläche in der Vertikale entwickeln.

Tolle Verarbeitung, Adapter notwendig
Rein gar nichts zu bemängeln gibt es unserer Meinung nach an der Verarbeitungsqualität des hübschen Edel-Notebooks. Das Alu-Chassis ist hinreichend steif, lässt sich nirgends eindrücken, knarzt und knackt nicht und wirkt durchaus langlebig. Die Lautsprecher klingen in der Praxis angesichts des dünnen Gehäuses tatsächlich vernünftig, was sich insbesondere beim Videokonsum bezahlt macht. Musik wird man trotzdem eher über mächtigere Boxen oder Kopfhörer genießen.

Die Anschlussausstattung - zwei USB-C-Ports bieten Thunderbolt-Unterstützung - ist vernünftig, bringt aber mit sich, dass man für alles, was nicht via USB-C angeschlossen werden kann, einen Adapter benötigt, also selbst für gewöhnliche USB-Sticks. Auf einen Kartenleser wurde verzichtet, Fotografen müssen also - unter Benutzung eines Adapters - ihre Kamera direkt anschließen.

Achillesferse Akkulaufzeit
Die Achillesferse des Yoga S940 mit 4K-Display ist wie bereits angedeutet sein 4K-Display - oder vielmehr dessen Auswirkung auf die Akkulaufzeit. Im Test kamen wir beim WLAN-Surfen mit reduzierter Helligkeit zwar durchaus auf die 7,5 von Lenovo versprochenen Stunden, unter Nutzung maximaler Energiespareinstellungen ist vielleicht sogar noch etwas mehr drin. Bei höherer Helligkeit oder rechenintensiven Anwendungen wird der Akku aber auch schneller leergesaugt.

Bedenkt man, dass manch Rivale durchaus doppelt so lang durchhält, ist das für ein offenkundig primär für den mobilen Einsatz entwickeltes Gerät kein sonderlich guter Wert. Da kommt man fast in Versuchung, der offenbar deutlich ausdauernderen Full-HD-Version den Vorzug zu geben.

Das S940 ist kein Business-Notebook
Überhaupt stellt sich die Frage, welche Zielgruppe Lenovo mit dem S940 in der 4K-Version bedienen will. Obwohl die Hardware in erster Linie zum Arbeiten und Surfen taugt, hat man nicht in erster Linie Business-Nutzer im Visier. Das zeigt sich etwa am spiegelnden Display, an der - der RAM ist fix verlötet - überschaubaren Wartbarkeit, beim Windows-10-Home-Betriebssystem und beim Verzicht auf ein LTE-Modem. Das S940 ist demnach mehr Consumer- denn Business-Gerät.

Dabei können wir es uns mit seinem geringen Gewicht, der - wenn auch nicht mit besonders viel Hub gesegneten - soliden hintergrundbeleuchteten Tastatur und dem großen Touchpad mit seinen guten Gleiteigenschaften unter Berücksichtigung der gebotenen Leistung am ehesten als mobiles Arbeitsgerät vorstellen, weniger als primären Computer für zuhause.

Gut, mit externem Monitor, Tastatur und Maus und keinen hohen Erwartungen an die Leistung kann es den auch ersetzen. Dank eines Zusatzprogramms namens „Glance“, das - bei aktivierter Webcam, wohlgemerkt - die Augenbewegungen trackt, wird man bei der Arbeit mit zwei Bildschirmen sogar aktiv unterstützt. Man mag trotzdem die Frage stellen, wieso man ein ultramobiles Notebook mit 1,2 Kilo Gewicht ins heimische Büro stellt und nicht eine günstigere Lösung wählt.

Fazit: Lenovos Yoga S940 ist ein schönes, sauber verarbeitetes und wertiges Notebook, das mit nur 1,2 Kilo sehr mobil ist und über ein in vielerlei Hinsicht traumhaftes Display verfügt. Für ein konsequent für das mobile Arbeiten gedachtes Gerät fehlt es ihm allerdings an Laufzeit, einem matten Display und anderen Business-Tugenden. Multimedia-Fans mit Affinität zum bewegten Bild werden Freude am tollen Bild und dem für Laptop-Verhältnisse guten Sound haben. Da bleibt aber zu hinterfragen, ob die ihre Videos nicht lieber gleich auf einem TV-Bildschirm konsumieren, statt sich ein teures 14-Zoll-Notebook dafür anzuschaffen.

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger
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