Die Drohungen von US-Präsident Donald Trump rund um Grönland wirken in Europas Hauptstädten wie ein politischer Weckruf. Was lange als rhetorische Provokation galt, wird nun als strategische Zäsur gesehen: Immer mehr europäische Regierungen stellen offen infrage, ob die USA noch ein verlässlicher Partner für Sicherheit und Handel sind – und beginnen, Alternativen zu denken.
Wie „Politico“ berichtet, gilt Trumps Ankündigung, Strafzölle gegen jeden zu verhängen, der ihn an der Übernahme des zu Dänemark gehörenden Grönlands hindern wolle, für viele europäische Regierungen als „letzter Tropfen“.
„Abwarten“ für Europa keine Option mehr
In internen Gesprächen sprechen europäische Beamte von einer unprovozierten Attacke gegen Verbündete und ziehen erstmals ernsthaft einen langfristigen Bruch mit Washington in Betracht. Hinter verschlossenen Türen wächst die Überzeugung, dass Trumps Kurs kein vorübergehendes Phänomen ist.
Ein hochrangiger europäischer Regierungsvertreter sagt laut Politico, das „Abwarten“ sei keine Option mehr – nötig sei vielmehr ein „koordinierter Übergang in eine neue Realität“. Diese Neubewertung betrifft nicht nur Handelsbeziehungen, sondern vor allem die Sicherheitsarchitektur des Kontinents.
Neue Allianz könnte NATO ablösen
Konkret rückt dabei eine Struktur in den Fokus, die bereits ohne die USA funktioniert: die sogenannte „Koalition der Willigen“ zur Unterstützung der Ukraine. Nationale Sicherheitsberater aus rund 35 Staaten – darunter EU-Mitglieder sowie Länder wie Großbritannien und Norwegen – stehen in engem Austausch.
Auch auf höchster politischer Ebene ist die Zusammenarbeit eng: Staats- und Regierungschefs wie Emmanuel Macron, Keir Starmer, Friedrich Merz und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen koordinieren sich regelmäßig informell.
Netzwerke haben sich bereits bewährt
Diese Netzwerke haben sich im Umgang mit Trump bewährt – bislang mit dem Ziel, Eskalationen zu vermeiden. Doch Trumps Eskalation rund um Grönland markiert einen Wendepunkt. Selbst zurückhaltende Regierungschefs kritisierten öffentlich die Zoll-Drohungen. Der bisherige Deeskalationskurs gilt in vielen Hauptstädten als überholt.
Rolle der NATO wird neu bewertet
Parallel gewinnen Debatten über eine eigenständige europäische Sicherheitsordnung an Tempo. In Brüssel mehren sich Initiativen, Europa bis 2030 verteidigungsfähig ohne amerikanische Hilfe zu machen. Vorschläge reichen von einer ständigen EU-Eingreiftruppe bis zu neuen Koordinierungsformaten mit Nicht-EU-Staaten wie Großbritannien.
Besonders brisant: Auch die Rolle der NATO wird neu bewertet. Sollte Washington seine Sicherheitsgarantien weiter relativieren, könnte die bestehende Bündnisstruktur an Bedeutung verlieren. In diesem Kontext wird sogar darüber nachgedacht, die militärisch stark aufgestellte Ukraine künftig enger in eine europäische Sicherheitsarchitektur einzubinden.
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