Das neue Steuer-Zuckerl für Fleißige ist fix: Der geplanten Kürzung des Überstunden-Freibetrags ab 2026 wurde eine Absage erteilt. Stattdessen einigte sich die Regierung auf ein neues Modell, das Arbeitnehmer entlasten und Überstunden weiterhin steuerlich begünstigen soll – und erntet damit Kritik.
„Krone“-Leser wussten es bereits Ende vergangenen Jahres, seit Dienstag steht dem neuen „Steuer-Zuckerl für Fleißige“ nun nichts mehr im Weg: Eigentlich hatte die Regierung geplant, den Steuerfreibetrag für Überstunden ab 2026 zu reduzieren – so stand es auch im Regierungsprogramm.
Allerdings wurde innerparteilich Kritik laut: In der „Krone“ forderten etwa der steirische SPÖ-Chef Max Lercher und ÖVP-General Nico Marchetti, den seit 2024 und planmäßig eigentlich nur bis Jahresende 2025 gültigen Steuerfreibetrag für Zuschläge für die ersten 18 Überstunden pro Monat auch über das Jahr hinaus zu erhalten. Schließlich konnte man sich auf einen Kompromiss einigen, für den es in der heutigen Finanzausschusssitzung grünes Licht gab.
„Leistung muss sich immer auszahlen“
Stimmt der Nationalrat am Mittwoch noch zu, gilt für 2026 ein neuer Freibetrag in Höhe von 170 Euro für bis zu 15 Überstunden pro Monat. Zusätzlich wird gesetzlich klargestellt, dass Feiertagsarbeit (bis zu 400 Euro im Monat) steuerfrei ist: „Leistung muss sich immer auszahlen. Mit der neuen Regelung setzen wir einen klaren Anreiz für Beschäftigte, Mehrarbeit zu leisten und unterstützen gleichzeitig unsere Betriebe“, zeigt sich Finanzstaatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl erfreut.
Für das Sonn- und Feiertagsentgelt entfalle außerdem zukünftig die Vollbesteuerung, die 2025 noch gegolten hat: „Mit der Rückkehr zur gängigen Verwaltungspraxis beim Sonn- und Feiertagsentgelt schaffen wir eine Vereinfachung der Lohnverrechnung und mehr Rechtssicherheit für Unternehmen“, so Eibinger-Miedl.
Ein Arbeitnehmer mit einem durchschnittlichen Bruttogehalt von 3300 Euro im Monat hat etwa einen Stundenlohn von rund 19 Euro. Bei einem Überstundenzuschlag von 50 Prozent und 15 Überstunden im Monat liegt die Nettoersparnis bei rund 60 Euro pro Monat. Für das gesamte Jahr beläuft sich die Steuerersparnis dieser Person in diesem Beispiel auf rund 714 Euro.
Entlastung trifft hauptsächlich gut verdienende Männer
Kritik gibt es seitens der Opposition, etwa von den Grünen, die vor allem die Verteilung der Steuervorzüge kritisierten. So entfallen laut einer Analyse des Budgetdienstes etwa 90 Prozent des Entlastungsvolumens auf Haushalte in der oberen Einkommenshälfte, knapp 40 Prozent auf das oberste Einkommensdezil. „Etwa 80 Prozent des Volumens kommen Männern zugute, da diese mehr Überstunden leisten und im Durchschnitt höhere Einkommen erzielen“, ist in der Analyse zu lesen. Insgesamt solle diese Maßnahme den Bund 105 Millionen Euro kosten.
Was wir wollen: Dass endlich Mehrstunden und Überstunden steuerlich gleich behandelt werden.

Markus Koza, Sozialsprecher der Grünen
Bild: Stefanie Freynschlag
Die Grünen wollen, dass der gesetzliche Status quo erhalten bleiben soll – es sollen weiterhin die ersten zehn Überstundenzuschläge steuerfrei bleiben: „Gleichzeitig fordern die Grünen eine steuerliche Gleichbehandlung von Mehrstunden-Zuschlägen – das sind Zuschläge, die auf Mehrarbeit bei Teilzeit geleistet werden – die bisher nicht steuerfrei sind. Davon würden insbesondere Frauen profitieren und ein Beitrag zu mehr Geschlechtergerechtigkeit geleistet“, heißt es seitens der Grünen.
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