Skurrile Auswüchse
So kämpft Europa gegen das Vulkanasche-Chaos
14.000 Euro. So viel Geld legte eine Gruppe gestrandeter italienischer Skiurlauber auf den Tisch, um sich per Taxi aus Norwegen nach Mailand chauffieren zu lassen. Ihr Flug von Tromsö hatte wegen der Vulkanasche nicht starten können. "Es war teuer, aber wir mussten nach Hause zurück. Dort warteten die Familien und die Arbeit auf uns", wurde einer der Urlauber nach der 4.000-Kilometer-Fahrt von italienischen Medien zitiert.
Ähnlich taten es am Montag drei belgische Geschäftsleute, die von Brüssel aus nicht starten konnten. Sie nahmen sich ein Taxi nach Wien-Schwechat, um von hier aus ihre Reise anzutreten. Die Fahrt über rund 1.200 Kilometer habe etwa zwölfeinhalb Stunden gedauert, berichtete der Fahrer anschließend. Den Fahrpreis bezifferte er auf 2.000 Euro. Vor der Rückfahrt nach Brüssel gönnte sich der sichtlich übermüdete Chauffeur dann aber noch eine Mütze Schlaf.
Großbritannien schickt Kriegsschiffe
Martialisch muten hingegen die Pläne der britischen Regierung an, die in Frankreich gestrandete Staatsbürger zurückholen will. Sie setzt Kriegsschiffe als "Taxis" ein. Die HMS Ocean, ein Amphibienschiff, kam am Montag am Ärmelkanal an, teilte Premierminister Gordon Brown in London mit. Auch der Flugzeugträger HMS Ark Royal (Bild) brach dorthin auf. Zusammen können die beiden Schiffe Tausende Personen transportieren. Ein drittes Schiff sei nach Nordspanien unterwegs, um britische Soldaten zurückzubringen, die aus Afghanistan zurückgekehrt seien, fügte Brown hinzu.
Barca quält sich im Bus nach Mailand, Formel-1-Asse warten
Ebenfalls unter den Einschränkungen zu leiden haben zahlreiche prominente Sportler und Politiker. So musste der FC Barcelona per Bus zum Champions-League-Halbfinale am Dienstag nach Mailand reisen. Die Katalanen um Superstar Lionel Messi trafen am Montag in Italien ein, sie hatten auf ihrer fast 1.000 Kilometer langen Fahrt in Cannes übernachtet.
Unterdessen startete Bayern Münchens Champions-League-Gegner Olympique Lyon am Montag seine zweitägige Anreise zum Halbfinale am Mittwoch. In Minivans machten sich die Franzosen auf die 625 Kilometer lange Bustour nach Deutschland.
In China sitzen derweil nach dem Formel-1-Grand-Prix von Shanghai mehrere Fahrer, die Teams und ihre Ausrüstung fest, weil sie nicht nahe ihrer zumeist in England gelegenen Fabriken landen können. Formel-1-Chef Bernie Ecclestone selbst verließ China im Privatjet und nahm Rekord-Weltmeister Michael Schumacher mit. Andere Piloten wie Sebastian Vettel warteten zunächst in China mit ihren Mechanikern auf einen baldigen Flug Richtung Heimat.
Merkel braucht 61 Stunden für Rückreise nach Berlin
Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel machte sich unterdessen auf eine lange Bustour von Rom nach Berlin. Der Flughafen der italienischen Hauptstadt war ihr Ausweichziel nach ihrer Rückkehr-Odyssee aus San Francisco, die sie auch kurz nach Lissabon geführt hatte. Insgesamt dauerte der Trip der Bundeskanzlerin und ihrer Delegation von San Francisco via Lissabon und Rom bis nach Berlin 61 Stunden.
Derweil hoffen zahlreiche Reisewillige in Österreich auf Regen und kräftige Westwinde. Denn die, so sind sich heimische Meteorologen sicher, würden große Teile der Asche in andere Regionen wehen und die Reste dann vom Himmel "spülen". Doch die ernüchternde Prognose der Wetterforscher lautet derzeit anders: Es bleibt frühlingshaft schön.
US-Kampfjet bei Testflug über Europa schwer beschädigt
Um die unter den Flugverboten leidenden Airlines finanziell zu entlasten, plant die EU derzeit, staatliche Finanzspritzen für die Unternehmen zu erleichtern. "Wir sind bereit, ähnlich zu reagieren wie nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001", sagte EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia am Montag.
Ob die Fluggesellschaften sich damit zufriedengeben, darf allerdings bezweifelt werden. Viele der Unternehmen sind der Meinung, dass die Verbote zu Unrecht verhängt wurden und überlegen sich, Schadenersatzforderungen gegen die EU-Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol zu stellen. Angeblich seien auf eigene Faust organisierte Testflüge nämlich völlig problemfrei verlaufen.
Schützenhilfe könnte die unter Beschuss stehende Behörde allerdings von Seiten der NATO erhalten. Denn bei einem Flug über Europa wurde ein F-16-Kampfjet des Bündnisses schwer beschädigt. Die Maschine landete mit Glas im Triebwerk, sagte ein hoher US-Beamter am Montag in Brüssel. Das Glas sei aus Vulkanasche entstanden, die in das heiße Triebwerk geraten und anschließend geschmolzen sei.
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