03.07.2019 07:07 |

In Wien und Tirol

Hotelbesitz in Österreich Thema in Anti-Kreml-Clip

In einem am Montag veröffentlichten Wahlkampfvideo hat der russische Oppositionelle Aleksej Nawalny österreichischen Immobilienbesitz der Familie eines führenden Moskauer Vertreters der Kreml-Partei Einiges Russland angeprangert. Vor den Wahlen zum Moskauer Stadtparlament versuchte Nawalny damit seine bekannte These zu untermauern, dass die regierende Partei aus „Gaunern und Dieben“ bestünde. Mittlerweile wurde der Clip beinahe zwei Millionen Mal geklickt.

Nawalny beschuldigte in seinem Video Andrej Metelski, den einflussreichen Moskau-Chef von Einiges Russland und Vizepräsidenten des Moskauer Stadtparlaments, de facto Eigentümer von Hotels in Tirol und Wien zu sein. Laut amtlichen Dokumenten gehören die Immobilien und dazugehörigen Tourismusunternehmen, die in Summe etwa 40 Millionen Euro wert sein könnten, unter anderem seinem gleichnamigen Sohn.

Gemeinsam mit Metelskis Berater Pjotr Iwanowski hatte die Mutter des Politikers, Eldibitta Metelskaja, seit 2007 die Hotels Maximilian und Tirolerhof im tirolerischen Serfaus, das Mozart Vital Hotel im benachbarten Ried im Oberinntal sowie das Palais & Hotel Strudlhof im 9. Wiener Gemeindebezirk erworben. Anfang 2019 waren die Anteile der nunmehr 75-jährigen Metelskaja an ihren 26-jährigen Enkel überschrieben worden.

Mutter wollte Kärntner Seen kaufen
Metelskis Mutter ist jedenfalls auch in Österreich nicht gänzlich unbekannt. Mit ihrem gescheiterten Versuch, zu günstigen Konditionen zwei Seen in Kärnten zu kaufen, hatte sie 2010 dort für lokale Schlagzeilen gesorgt.

Gegenüber russischen Medien bestätigte der „Einiges Russland“-Politiker noch am Montag zwar geschäftliche Aktivitäten seiner Verwandten, bestritt aber mit den Immobilien etwas zu tun zu haben. „Diese Geschichte (Nawalnys, Anm.) hat mit den Wahlen in das Moskauer Stadtparlament zu tun. Das ist ein schwacher Versuch, mich in Misskredit zu bringen“, erklärte Metelski gegenüber „RBK“.

Zehn Tage Hausarrest nach Demo
Nawalny, der am Montag für eine Demonstrationsteilnahme von einem Moskauer Gericht zu zehn Tagen Arrest verurteilt wurde, hatte in seinem Beitrag aufgefordert, fünf Mitstreiter bei diesen Wahlen am 8. September zu unterstützen und die Kreml-Partei abzuwählen. 36 Stunden nach seiner Veröffentlichung zeigte Youtube mehr als 1,8 Millionen Zugriffe auf das Video.

„Er kauft einfach“
„Einiges Russland“ habe etwa in Serfaus bewiesen, dass es eine Macherpartei sei, polemisierte Nawalnyj. „Wenn Sie an so einen Ort kommen, würden Sie alles bewundern und von einem Haus hier träumen. Aber er (Andrej Metelski, Anm.) sagt das nicht nur, sondern kauft einfach - etwa das Hotel Maximillian“, sagte der Politiker im Video, das passagenweise wie österreichische Fremdenverkehrswerbung anmutete. Vor dem Palais & Hotel Strudlhof erklärte er, dass dieses Hotel mit in Russland gestohlenen Geldern gekauft worden sei.

Keine Beweise, keine konkreten Indizien
Belege einer illegalen Herkunft des investierten Kapitals präsentierte Nawalny freilich nicht, dafür gibt es auch keine konkreten Indizien. Der Oppositionelle verwies lediglich auf einen Kredit, den die Firma von Eldibitta Metelskaja von der damaligen Österreich-Tochter der staatlichen russischen VTB Bank erhalten habe. Nach APA-Recherchen dürfte dieser Kredit über insgesamt 23 Millionen Euro jedoch mittlerweile Vergangenheit sein: Das betreffende Pfandrecht der VTB Bank (Europe) wurde im Juni 2018 aus dem österreichischen Grundbuch entfernt. Gleichzeitig tauchten dort in geringerem Ausmaß Pfandrechte der Erste Bank sowie der Tiroler Sparkasse auf.

Hätten Geldflüsse genauer geprüft werden müssen?
Unklar ist indes, ob österreichische Banken Andrej Metelski als „politisch exponierte Personen“ (PEP) führen und laut Geldwäschebestimmungen damit auch die Herkunft von Geldern, die nahe Familienangehörige in Österreich investiert haben, genauer hätten überprüfen müssen. Mitglieder von Regionalparlamenten fallen in der Regel nicht in diese Kategorie. Nicht auszuschließen sei jedoch, dass Metelski aufgrund seiner wichtigen Funktion als Chef der Moskauer Parteiorganisation von „Einiges Russland“ jedoch dennoch als PEP gelte, erklärte der Vizedirektor von Transparency International Russia, Ilja Schumanow, am Dienstag.

 krone.at
krone.at
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Produktvergleiche

Alle Produkte sehen