Die Kooperation zwischen Tiwag und der EnBW geht auf das Jahr 1977 zurück, also die Zeit der Energie-Monopole. Der Vertrag, der bis zum 30. September 2017 gelaufen wäre, sah einen - für damalige Zeiten vernünftigen - Stromtausch vor: Die Tiwag lieferte 50 Prozent des hochwertigen Spitzenstroms aus der Kraftwerksgruppe Sellrain-Silz/Kühtai nach Baden-Württemberg und bezog im Gegenzug von der EnBW relativ "minderen", aber für die Wintermonate wichtigen Bandstrom. Man hat sich nun (wie üblich) "partnerschaftlich" und ohne die Tauschmengen konkret zu nennen auf eine frühzeitige Lösung dieses Vertrags geeinigt. Die 85 Millionen Euro (plus Zinsen), die die Tiwag für diese "Scheidung" hinlegen muss, wurden von internationalen Energiejuristen festgelegt.
Tiwag-Vorstand Dr. Bruno Wallnöfer verriet der "Krone" die Hintergründe des Deals: "Die wirtschaftlichen Verhältnisse haben sich mit der Liberalisierung des Strommarktes 1999 für beide Partner grundlegend geändert und sich schon schrittweise zum Nachteil der Tiwag verschlechtert." Nicht zuletzt wurden mit der Vertragskündigung Meinungsverschiedenheiten über eine Beteiligung der Tiwag an künftigen CO2-Kosten beigelegt.
Mit der Kündigung des Tauschvertrages glaubt die Tiwag auch an bessere Chancen im internationalen (sprich deutschen) Markt für den teuren Spitzenstrom des Kraftwerks Sellrain/Silz. Dipl.-Ing. Alfred Fraidl: "Wir werden künftig unseren Spitzenstrom allen vier großen deutschen Regelenergiekonzernen anbieten können." Deshalb rechnet die Tiwag auch, den 85-Millionen-Euro-Brocken schon vor 2017 zurückverdient zu haben.
von Walther Prüller, Tiroler Krone
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