Hallein bangt

Lenzing investiert nicht - Zukunft für Zellulosewerk offen

Salzburg
07.04.2010 09:59
Wo in der Hochblüte der Tennengauer Papierindustrie 1.800 Menschen gearbeitet haben, werken nach der scheibchenweisen Demontage derzeit noch 180 Mitarbeiter für M-real. Jetzt schaut auch die Zukunft für diese zehn Prozent nicht sehr rosig aus, befürchtet Bürgermeister Christian Stöckl. Alarmiert hat ihn eine Nachricht über den Lenzinger Zukauf in Tschechien.

"Das ist eine extreme Enttäuschung für uns, wenn Lenzing seine Erweiterungs-Strategie jetzt nach Tschechien verlagert. Der Ausbau in Hallein wäre sowas wie ein Neuanfang, ein echter Hit gewesen. Jetzt schaut es aber für unseren Standort ziemlich düster aus. Denn dass die Zellulose allein eine längerfristige Perspektive hat, ist mehr als zweifelhaft", kommentierte ein spürbar besorgter Christian Stöckl die Entwicklung.

Ungewisse Zukunft
Tatsache ist, dass die börsennotierte Lenzing AG als Weltmarktführer bei Zellulosefasern zu 75 Prozent den tschechischen Hersteller Biocel Paskov übernimmt. Und dort nahe der polnischen Grenze auch in den nächsten Jahren 50 Millionen Euro in die weitere Expansion stecken wird. Für Hallein auch deswegen eine Hiobsbotschaft, weil sich, so Stöckl, die derzeitige Bestandsgarantie für den Standort nur bis Ende des Jahres erstreckt. "Und ob wir in der Papierindustrie länger Abnehmer haben werden, ist ziemlich ungewiss."

Zellstoff-Zug abgefahren
Stöckl fühlt sich von der Landespolitik im Stich gelassen: "Landeshauptfrau Gabi Burgstaller hat ja stets beteuert, mit Lenzing wegen einer Übernahme Halleins in Kontakt zu stehen." Jetzt sei die Landes-Chefin gefordert, alles für eine solche Transaktion zu tun – doch in Wahrheit ist der Zellstoff-Zug abgefahren. Lenzing-Vorstand Dr. Peter Untersperger zur "Krone": "Unser Engagement in Paskov ist fix, mit Hallein und der Salzburger Politik gab es in der Tat einige Gespräche, die auch keineswegs unfreundlich verliefen. In der Sache selbst gab es vom Verkäufer, also den M-real-Eignern, aber finanzielle Vorstellungen, die mit den wirtschaftlichen Richtlinien unseres Hauses nicht in Einklang zu bringen waren."

Neues Zukunftskonzept
Damit ist die so erhoffte österreichische Lösung für den Standort Hallein geplatzt, für die Landeshauptfrau aber offenbar kein Verhängnis. Lenzing sei schon längere Zeit nicht mehr der wesentliche Kern eines Zukunftskonzepts für Hallein. An einem solchen werde weiter mit Nachdruck gearbeitet. Aus Lenzings Chefetage gab es weder für sie noch Vize Haslauer eine Information über den Zukauf in Tschechien…

von Roland Ruess, Kronen Zeitung

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