Do, 27. Juni 2019
18.05.2019 14:18

Wiesinger-Drohung

Hofers Lieblingsmaler: „Irgendwann seid ihr dran“

Der umstrittene Maler Odin Wiesinger, der künftig auf einem FPÖ-Ticket im Landeskulturbeirat von Oberösterreich sitzen soll, droht laut einer Vorausmeldung des „profil“ seinen Kritikern: „Ich bin nicht nachtragend, dennoch denke ich: ,Euch merke ich mir, und irgendwann seid ihr dran.‘“ Zur „Auschwitz-Lüge“ meint der Lieblingsmaler von Verkehrsminister und FPÖ-Vizeobmann Norbert Hofer, darüber gebe es „immer wieder neue Erkenntnisse“. Nach diesen brisanten Aussagen fordert der oberösterreichische Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) nun, dass die Landes-FPÖ einen neuen Kandidaten für den Kulturbeirat nominiert.

Der Landeskulturbeirat sei im Grunde „vollkommen zahnlos“, weil sich niemand an seine Empfehlungen halten müsse, so Wiesinger im Interview in der am Montag erscheinenden „profil“-Ausgabe - erst „durch meine Nominierung wurde dieses Gremium der Allgemeinheit bekannt“.

Hofer verteidigt Wiesinger
Nach Wiesingers Nominierung hatte es von allen Seiten Kritik gehagelt - Autor Thomas Baum legte gar seine Mitgliedschaft im Beirat zurück. Minister Hofer hingegen nahm seinen Lieblingskünstler in Schutz. Es sei klug, sich von einem Menschen selbst ein Bild zu machen. Er würde daher jedem ein persönliches Gespräch mit Wiesinger und einen Besuch in dessen Atelier empfehlen, sagte Hofer.

„Couleurnamen“ Odin beibehalten
Der 1961 geborene Innviertler Odin Wiesinger, der eigentlich Manfred mit Vornamen heißt, hat sich seinen „Couleurnamen“ Odin (eine germanische Gottheit) von seiner Burschenschaft beibehalten. Er ist bei den Freiheitlichen ein gern gesehener Künstler und nicht nur mit Hofer sondern auch mit dem ehemaligen dritten Nationalratspräsidenten und ebenfalls schlagenden Burschenschafter Martin Graf befreundet.

Nähe zur NS-Ideologie zurückgewiesen
Im nunmehrigen „profil“-Interview meint Wiesinger dazu, dass in dem inzwischen eingestellten rechten Magazin „Aula“, für das er Auftragsarbeiten angenommen hat, KZ-Häftlinge als „Landplage“ bezeichnet worden sind: „Nur feine Menschen, angenehme Zeitgenossen waren da sicher nicht darunter.“ Den Vorwurf der Nähe zur NS-Ideologie weist er aber zurück: Sowohl Nationalsozialismus als auch Sozialismus seien „verbrecherisch in ihren Auswirkungen“ gewesen.

SPÖ: „In öffentlicher Position untragbar“
Die SPÖ-Sprecherin für Gedenkkultur, Sabine Schatz, meinte am Samstag, Wiesinger habe mit seinen nunmehrigen Aussagen gezeigt, „dass er für ein öffentliches Amt absolut untragbar ist“. Sie forderte Oberösterreichs Landeschef Stelzer auf zu handeln, denn alles andere sei untragbar. „Wer keine Position zur Negierung des Holocaust findet, hat in einem öffentlichen Amt nichts zu suchen“, so Schatz.

Stelzer fordert von FPÖ neuen Kandidaten
Und tatsächlich reagierte Stelzer noch am Samstagnachmittag: In einer Presseaussendung forderte er von der oberösterreichischen FPÖ eine Neubestellung für den Landeskulturbeirat. Nach seinen Aussagen im „profil“ sei Wiesinger „in dieser Funktion nicht mehr tragbar“. Er erwarte sich daher, dass die FPÖ „eine andere geeignete Persönlichkeit nominiert“, so Stelzer.

Anschober bringt Antrag auf Abberufung ein
Der grüne Landesrat Rudi Anschober kündigte am Samstag an, bei der Sitzung der Landesregierung am Montag einen Antrag auf Abberufung Wiesingers aus dem Kulturbeirat einzubringen. „Nach dem unsäglichen Interview Wiesingers im neuen ,profil‘ und der aktuellen Aussendung von LH Stelzer muss es dafür eine breite Mehrheit geben“, meinte Anschober in einer Aussendung.

 krone.at
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