10.05.2019 14:11 |

Investor Oliver Holle:

„Wien hat für die Größe zu wenige gute Start-ups!“

Die heimische Start-up-Szene wartet auf das erste mit einer Milliarde Euro oder Dollar bewertete Jungunternehmen. In den USA werden diese Firmen auch „Unicorns“ genannt. Die bisher größten Exits in Österreich mit jeweils mehr als 200 Millionen Euro Verkaufspreis schafften in den vergangenen zehn Jahren die Lauf-App Runtastic, die Kleinanzeigenplattform Shpock und das Biotech ViraTherapeutics.

Am besten Weg zu einer „Unicorn“-Milliardenbewertung seien das Kärntner-Streaming-Start-up Bitmovin und die Wiener Reiseplattform Tourradar, sagte Oliver Holle vom Risikokapitalgeber Speedinvest am Freitag bei der Pioneers-Konferenz in Wien. Speedinvest hält Anteile an Bitmovin und Tourradar. Viel Potenzial sehen Branchenbeobachter auch beim Social-Trading-Start-up Wikifolio, bei Anyline (Texterkennung), Tractive (Haustier-Tracking) und bei der Krypto-Plattform Bitpanda.

In heimischer Start-up-Szene tut sich viel
In den vergangenen Jahren hat sich in der österreichischen Start-up-Szene viel getan. Mehr Gründer trafen auf immer mehr Investoren, auch die heimische Politik erhöhte die Förderungen für Jungunternehmen. „Vor zehn Jahren gab es das erste große Start-up-Pitch-Event in Wien“, sagte die Präsidentin der Austrian Angel Investors Association, Selma Prodanovic, beim Pioneers. Im Jahr 2010 habe man sich als Investor noch die Start-ups aussuchen können, es gab keine Konkurrenz, erinnert sich der Risikokapitalgeber Johannes Hansmann. Er war als Business Angel bei MySugr, Runtastic und Shpock an Bord und verkaufte seine Anteile bei den Exits gewinnbringend.

Hansmann ortet vier Punkte, warum die österreichische Start-up-Szene nicht stärker gewachsen ist. Talentierte Fachkräfte von außerhalb der EU könne man nicht leicht nach Österreich holen, die GmbH-Rechtsform sei für Start-ups suboptimal und es gebe keine Steuererleichterungen für Risikokapitalgeber. Außerdem brauche Österreich mehr erfolgreiche Gründer, die ihr Unternehmen verkauften und dann wieder in Start-ups investierten.

„Wien hat zu wenige gute Start-ups“
„Wien hat für die Größe der Stadt zu wenige gute Start-ups“, sagte Risikokapitalgeber Holle. Sein Fonds Speedinvest investiert auch stark außerhalb Österreichs in europäische Gründer. Als verpasste Chance für den Standort Wien gilt N26. Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal gründeten 2013 ihr Banken-Start-up Number26 in Wien, verlagerten den Firmensitz aber bereits nach einem Monat nach Berlin. Vor allem die Verfügbarkeit von qualifizierten Mitarbeitern sei ein Hauptgrund für den Wechsel nach Berlin gewesen, hieß es damals. Mit einer Bewertung von zuletzt 2,7 Milliarden Dollar gehört die Smartphone-Bank N26 zu den teuersten Start-ups in Deutschland. Im April kündigte N26 aber einen Tech-Standort mit 300 Mitarbeitern in Wien an.

Bei einer Diskussionsrunde bei der Pioneers-Konferenz waren sich die Gründer von MySugr, Runtastic und Shpock einig, dass es in Österreich keine notwendigen hohen Millionenfinanzierungen (Serie B, C) für Start-ups gebe. Der US-Konkurrent habe von Investoren ein 100-Millionen-Dollar-Investment bekommen, MySugr rund 7 Millionen, sagte MySugr-Mitgründer Frank Westermann. Für Runtastic-Gründer Florian Gschwandtner würden neu gegründete Start-ups in Österreich „fast zu leicht Geld bekommen“. Um erfolgreich zu sein, brauche es „ein gutes Team“.

Ministerin kündigte Start-up-Paket an
Um die Finanzierungslücke für rasch wachsende Technologieunternehmen zu schließen, hat Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) am Mittwoch einen Digitalisierungs- und Wachstumsfonds mit einer Dotierung von 100 Millionen Euro angekündigt, der im Sommer oder Herbst starten soll. Durch diesen neuen Fonds der Förderbank aws soll privates Risikokapital in Höhe von 500 Millionen Euro mobilisiert werden.

Auch Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer will die heimische Softwarebranche pushen. „Europa hat mehr Entwickler und Programmierer als die USA. Wir haben ein großes Potenzial“, sagte Mahrer bei der Pioneers-Konferenz. In Europa gebe es aber noch Probleme mit der Regulierung und Finanzierung von Start-ups.

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