30.04.2019 13:00 |

Mit 72

Kammerschauspieler Johann Adam Oest ist tot

Der Schauspieler Johann Adam Oest, seit 1986 mit einer kurzen Unterbrechung Ensemblemitglied des Burgtheaters, ist im Alter von 72 Jahren gestorben.

Der gebürtige Deutsche, der zu seinem 70. Geburtstag zum Kammerschauspieler ernannt wurde, wirkte in seiner Laufbahn in Wien an 68 Inszenierungen mit und wurde zum charismatischen Nebendarsteller.

Geboren am 24. Juni 1946 in Babenhausen (Hessen), spielte Oest nach seiner Schauspielausbildung in Hamburg zunächst an Theatern in Karlsruhe, Recklinghausen, Ettlingen, am Zürcher Theater am Neumarkt, am Grillo-Theater Essen und am Schauspielhaus Bochum, ehe er mit Claus Peymann ans Burgtheater kam, wo er mit Ausnahme der Jahre 2000 bis 2002 bis zuletzt tätig war. Während seiner Auszeit spielte er u.a. (gemeinsam mit Robert Hunger-Bühler) den Mephisto in Peter Steins Mammut-„Faust“, der bei der Expo in Hannover Premiere feierte und 2001 auch in Wien gezeigt wurde. Daneben war er auch immer wieder bei den Salzburger Festspielen zu sehen.

Am Burgtheater, wo er in 68 Inszenierungen gespielt hat, arbeitete der vielseitige Darsteller mit den markanten buschigen Augenbrauen unter anderem mit Manfred Karge, Claus Peymann, Peter Turrini, Peter Palitzsch, Paulus Manker, Michael Grüber, Thomas Langhoff, Andrea Breth, Barbara Frey, Matthias Hartmann, Roland Schimmelpfennig, Michael Thalheimer, Alvis Hermanis, Herbert Fritsch und Christian Stückl.

Zweimal mit Nestroy-Preis für beste Nebenrolle ausgezeichnet
Zweimal wurde er für seine subtilen, hintergründigen Rollengestaltungen mit dem Nestroy-Preis für die beste Nebenrolle ausgezeichnet: 2004 für seinen pharisäerhaften TV-Journalisten Ross, der in „Die Ziege oder Wer ist Sylvia“ von Edward Albee dem Freund ein ungeheuerliches intimes Geständnis entlockt, sowie 2010 für verschiedene Rollen in „Der goldene Drache“ von Roland Schimmelpfennig. Bei der Verleihung erhielt er von Regina Fritsch eine hinreißende Laudatio („Wäre er ein Berg, wäre er der Himalaya. Wäre er Hollywood-Schauspieler, wäre er Jack Nicholson. Wäre er ein Sänger, wäre er Enrico Caruso. Wäre er ein Land, wäre er Atlantis...“) und dankte mit einer kleinen Wahlrede: „Ich bedanke mich bei meinen Wählerinnen und Wählern. Ich möchte ein Nebendarsteller für alle sein.“

In seinen letzten Jahren war Oest unter anderem als grüblerischen Prospero in der auf drei Personen reduzierten „Sturm“-Fassung (1988 spielte er in der Peymann-Inszenierung Prosperos Bruder Antonio) auch als einfältiger Schuldirektor in Gogols „Der Revisor“, als Dr. Purgon in Molieres „Der eingebildete Kranke“ und als Dottore Lombardi in Goldonis „Der Diener zweier Herren“ zu sehen. Seine letzten Rollen am Burgtheater waren Zettel und der Weber/Pyramus in „Ein Sommernachtstraum“ von William Shakespeare in der Regie von Leander Haußmann und Kaiser Franz Joseph in „Radetzkymarsch“ von Joseph Roth (Regie: Johan Simons).

Neben der Kainz Medaille der Stadt Wien (1992/93) und dem Hessischen Fernsehpreis (2005) war der Schauspieler gemeinsam mit Astrid Thomessen auch als Bauherr ausgezeichnet worden: Ihr von Hertl.Architekten aus Holz und Beton ausgeführtes Wohnhaus in Diex am südlichen Abhang der Kärntner Saualpe erhielt den Kärntner Landesbaupreis 2015. Die Laudatio anlässlich der Ernennung zum Kammerschauspieler im Jahr 2016 hielt Leander Haußmann. Mit ihm drehte Oest die Filme „Herr Lehmann“ (2002), „Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe“ (2007) und „Hotel Lux“ (2010). In seiner Laudatio sagte der Regisseur: „Ich freue mich, dass die Auszeichnung nicht nur den wunderbaren Schauspieler trifft, sondern auch einen guten Menschen.“

Auch mit Oskar Röhler („Jud Süß - Film ohne Gewissen“), Philipp Stölzl („Goethe“), Michael Riebl („Planet Ottakring“) oder zuletzt Virgil Widrich („Die Nacht der tausend Stunden“) drehte der Schauspieler, der zudem eine lange Liste an TV-Arbeiten aufzuweisen hatte.

Burgtheaterdirektorin: „Er fehlt fürchterlich“
Burgtheaterdirektorin Karin Bergmann würdigte den Schauspieler, der am Dienstag nach langer Krankheit starb, mit persönlichen Abschiedsworten: „Johann Adam Oest konnte alles spielen und alle wollten mit ihm spielen. Er war der liebenswürdigste Kritiker, der tiefdenkendste Humorist des Hauses, immer absolut integer, von allen geliebt. Er fehlt fürchterlich.“

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