18.03.2019 08:00 |

Eigene Bergepläne

Evakuierung in maximal dreieinhalb Stunden!

Eine Horrorvorstellung: Der Sessellift oder die Gondelbahn kann nicht weiterfahren, die Bahn muss evakuiert werden. Die Tiroler Seilbahnen und die Bergrettung sind für solche Ausnahmesituationen freilich gerüstet. Wie der Fall bei der Zugspitzbahn zeigte, bei der kürzlich 82 Menschen aus einer Gondel evakuiert wurden.

„Grundsätzlich verfügt jede Bergbahn über eigene, ausgebildete Leute, die Bahnen evakuieren können“, sagt Peter Haidacher, Bezirksleiter der Tiroler Bergrettung in Kitzbühel. Da der Gesetzgeber aber vorschreibt, dass eine Bahn nach spätestens 210 Minuten „leer“ sein muss, benötigen die Seilbahnen Unterstützung durch Organisationen wie die Bergrettung.

„In jeder Ortsstelle gibt es Spezialisten für solche Einsätze“, informiert Haidacher. Im Ausbildungszentrum Jamtal wurden für Schulungszwecke Teile eines Sessellifts aufgestellt, um realitätsnah üben zu können. „Einmal jährlich findet auch eine Großübung mit einer Bergbahn statt.“

Im Grunde stelle die Rettung von Personen aus Seilbahnen keine Hexerei dar. „Wir verwenden allgemein übliche Bergrettungstechniken“, verrät der Spezialist.

„Heli-Bergung zu riskant“
Bei Einseilumlaufbahnen und Sesselliften steigen die Rettungsteams auf die Stützen und fahren anschließend mit Seilfahrgeräten zu den Gondeln bzw. Sesseln. Haidacher: „Von dort seilen wir die Passagiere dann ab.“ Abseilen vom Hubschrauber aus hält der Kitzbüheler für zu risikoreich.

Mit der Ankunft auf sicherem Boden ist es allerdings noch nicht getan. Die Geretteten müssen schließlich wieder ins Tal gebracht werden – vielfach aus unwegsamen, tief verschneitem Gelände. „Der Abtransport der Passagiere gehört ebenfalls zu unseren Aufgaben“, so Haidacher.

Dass auch die Feuerwehren eine tragende Rolle bei solchen Einsätzen spielen, scheint weithin unbekannt. Jene Kabinen bzw. Liftsessel, die sich über besiedeltem Gebiet befinden, werden meist von den Florianijüngern evakuiert – mittels Drehleiter.

Wie gut die Zusammenarbeit zwischen Bergbahnen, Bergrettung, Feuerwehren und Rotem Kreuz klappt, zeigte der Stillstand der Hornbahn in Kitzbühel im Jänner 2018. Eine leere Gondel hatte sich im Sturm bei der Einfahrt in die Mittelstation verkeilt

Mehr als 100 Bergretter aus dem gesamten Bezirk Kitzbühel und die Teams der Hornbahn seilten rund 40 Passagiere aus den 6er-Gondeln ab, die Feuerwehr befreite die Passagiere, die über dem Parkplatz gefangen waren. Versorgung und Abtransport funktionierten ebenfalls vorbildlich.

„Ich empfand den Einsatz wie eine gelungene große Übung. Selbst die meisten Geborgenen waren überwiegend total entspannt. Wir sind jedenfalls bereit“, sagt Haidacher abschließend.

Peter Freiberger
Peter Freiberger

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