Jugendstil im Lentos:

Nackter Knabe im Salatbeet erzählt Zeitgeschichte

„Das Nacktsein wurde für die Menschen in Österreich vor 100 Jahren plötzlich großes Thema“, meint Lentos-Vizedirektorin Elisabeth Nowak-Thaller. Sie betrachtet dabei ein Jugendstil-Gemälde: Ein Bub steht nackt im Salatbeet. Er hat wirklich gelebt, wurde von der Oma aufgezogen: „Diese setzte sich für die Rechte der Frauen ein, darunter das Wahlrecht“, gibt Nowak-Thaller preis.

Ohne die rebellischen Künstler und Damen in der Zeit des Jugendstils vor mehr als 100 Jahren könnten wir Frauen heute weder im Bikini baden, noch in der Wahlkabine das Kreuzerl machen. Das alles erzählt Elisabeth Nowak-Thaller anhand eines einzigen Bildes, das derzeit im Lentos Kunstmuseum in der Sammlungspräsentation hängt. Erwin Lang (1886-1962) hat es gemalt: „Seine Mutter Maria war eine der ersten Frauenrechtlerinnen.“ Sie setzte sich für Mutterschutz ein, forderte die Aufhebung des Lehrerinnenzölibats. Das Frauenwahlrecht - das exakt 100 Jahre alt ist - stand auch auf ihrer Agenda. Erst 1919 wurde es durchgesetzt.

Frühlingserwachen
Der Sohn wurde Maler. Er stellte seinen Neffen Peter, den die Oma aufzog, in das Salatbeet und malte Nacktheit pur: „Damit verband man Aufbruch in eine neue Freiheit.“ Insgesamt wollte man trostlose Enge überwinden, das Korsett abwerfen. Man tat es buchstäblich, indem man etwa im Sommer der Freikörperkultur fröhnte, aber auch neue Ideen - wie etwa die Lehren Rudolf Steiners - fanden Beachtung. Ein gesellschaftliches Frühlingserwachen, das den Menschen wachsen sehen will! Der Jugendstil-Raum in der Ausstellung „Die Sammlung“ schildert diese Aufbruchssstimmung damals, die Kunst war ihr Flaggschiff.

Elisabeth Rathenböck, Kronen Zeitung

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