16 Todesopfer

Kabul: Attentäter zündet Bombe vor Einkaufszentrum

Ausland
26.02.2010 08:36
Bei Selbstmordanschlägen auf zwei Hotels in Kabul sind am Freitag mindestens 16 Menschen ums Leben gekommen. Nach Angaben der afghanischen Regierung wurden fast 40 weitere verletzt, als sich mehrere Taliban-Kämpfer in der Nähe eines großen Einkaufszentrums im Zentrum der Hauptstadt in die Luft sprengten. Unter den Todesopfern waren auch mehrere Ausländer, darunter ein Franzose, ein Italiener und bis zu neun Inder.

Die Attentäter zündeten ihre Sprengsätze im Morgengrauen in einem Geschäftsviertel. Nach Angaben des Innenministeriums sprengte sich einer der Attentäter mit einem Auto vor einem Gästehaus in die Luft. Zwei weitere nahmen sich das nahe gelegene Park Residence Hotel zum Ziel, wo viele Inder arbeiten. Augenzeugen berichteten, dass es nach der ersten großen Explosion noch zwei weitere kleinere Detonationen gegeben habe. Die Explosion vor dem Gästehaus riss einen großen Krater in die Straße, verängstigte Gäste kletterten aus Fenstern. Vor dem Gebäude lagen Schutt, Scherben und Leichenteile.

Wie der Polizeichef von Kabul, Abdul Rahman, sagte, wurde der Italiener von den Angreifern im Park Residence Hotel erschossen, während er mit der Polizei telefonierte. "Er war ein mutiger Mann", sagte Rahman. Nach Angaben von Italiens Außenminister Franco Frattini arbeitete er als Berater für die italienische Botschaft in Kabul. Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner bestätigte in Paris den Tod eines Franzosen.

Bis zu neun Inder verloren ihr Leben
Wie der indische Außenminister Krishna mitteilte, wurden bis zu neun Inder getötet. Darunter waren seinen Angaben zufolge mehrere Angestellte der indischen Botschaft. Wie ein Sprecher des afghanischen Innenministeriums sagte, befanden sich unter den Toten auch drei Polizisten. Sie starben, als sich einer der Attentäter in dem Hotel in die Luft sprengte. Der zweite wurde erschossen.

Zu dem Anschlag bekannten sich die radikal-islamischen Taliban. Insgesamt acht Taliban-Kämpfer seien an dem Anschlag beteiligt gewesen, darunter drei Selbstmordattentäter, sagte ein Taliban-Sprecher der Nachrichtenagentur AFP am Telefon. Einer von ihnen habe die Autobombe vor dem Hotel gezündet.

Bislang jüngster Taliban-Anschlag im Kabul datiert vom Jänner
Zuletzt waren Taliban-Kämpfer Mitte Jänner ins Zentrum von Kabul eingedrungen und hatten Regierungsgebäude, Einkaufszentren und ein Luxushotel attackiert. Sie töteten fünf Menschen, fast 80 weitere wurden verletzt. Mitte Dezember wurden bei einem Anschlag in der Nähe eines Hotels acht Menschen getötet. Ende Oktober hatten Taliban-Kämpfer in Kabul ein Gästehaus der Vereinten Nationen angegriffen und acht Menschen getötet, darunter fünf UNO-Mitarbeiter.

Im Süden Afghanistans kamen zwei NATO-Soldaten ums Leben. Wie das britische Verteidigungsministerium mitteilte, wurde ein britischer Soldat bei der Großoffensive rund um die Stadt Marjah in der Unruheprovinz Helmand von einem Sprengsatz getötet. Ein weiterer Soldat kam nach Angaben der Internationalen Schutztruppe ISAF bereits am Donnerstag bei einem Schusswechsel im Süden des Landes ums Leben.

Deutscher Bundestag billigt Truppen-Aufstockung
Der Deutsche Bundestag billigte unterdessen mit großer Mehrheit die Aufstockung der Bundeswehrtruppe in Afghanistan. Die Linke sorgte während der Debatte am Freitag mit einer Protestaktion für einen Eklat. Die Fraktion hielt geschlossen Dutzende Plakate in die Höhe, auf denen Namen von Opfern des tödlichen Bombenangriffs von Kunduz standen. Parlamentspräsident Norbert Lammert schloss die Abgeordneten daraufhin von der Sitzung aus. Lammert nannte sein hartes Vorgehen alternativlos und begründete es mit ähnlichen Aktionen der Linkspartei in der Vergangenheit.

In der namentlichen Abstimmung stimmten 429 von 586 Abgeordneten für die Verlängerung des ISAF-Mandats um ein Jahr. Auch die Oppositionsfraktion SPD votierte mehrheitlich mit Ja. Es gab 111 Nein-Stimmen und 46 Enthaltungen. Die Abgeordneten der Linken wurden zur Abstimmung zugelassen.

Deutschland wird nach dem neuen Mandat zunächst die Zahl seiner in Afghanistan eingesetzten Soldaten um 850 auf 5.350 erhöhen. Zugleich soll die Ausbildung der einheimischen Sicherheitskräfte erheblich verstärkt und die Entwicklungshilfe deutlich erhöht werden. Angestrebt wird, dass damit ein Abzug der deutschen Verbände bis zum Jahr 2014 möglich wird. Schrittweise soll bereits ab dem nächsten Jahr in einzelnen Regionen die alleinige Verantwortung für die Sicherheit afghanischen Kräften übertragen werden.

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