"Der Lambro ist tot"

Ölpest in Italien nach Sabotage in Raffinerie

Ausland
24.02.2010 13:59
Nachts um 4.00 Uhr öffneten Unbekannte die Ventile. Millionen Liter Öl ergossen sich aus den drei riesigen Tanks einer eigentlich stillgelegten Raffinerie nördlich von Mailand. Erst Stunden später wurde das Ausmaß der ökologischen Katastrophe deutlich: Auf dem Lambro, einem etwa 130 Kilometer langen Po-Zufluss, schwimmt eine klebrige giftige Ölschicht. Und diese "schwarze Welle" droht auch den überaus lebenswichtigen Po selbst zu verseuchen. Ein Unfall war es nicht, hier war eindeutig Sabotage im Spiel.

Feuerwehr, Zivilschutz, Umweltbehörde - alle machten sich in einem angestrengten Wettlauf gegen die Zeit daran, diese Ölflut zu stoppen, also möglichst viel von dem giftigen Gemisch davon abzuhalten, in den Po zu gelangen. Also musste der in Mailand rasch zusammengetrommelte Krisenstab zuerst zwischen Monza und der norditalienischen Metropole intervenieren und dann vor der Mündung des Flusses in den Po bei San Zenone al Lambro vom Zivilschutz schwimmende Barrieren legen lassen (Bild). "Der Lambro ist tot", klagen Anrainer, übelriechende Luft reizt ihre Atemwege, Enten und andere Vögel sind die ersten Opfer des Öls.

"Das war ein krimineller Akt"
Niemand glaubt an einen bösen Scherz, den sich da jemand erlaubt haben könnte, nur um Schlagzeilen zu machen. "Das war ein krimineller Akt, der einen Millionenschaden anrichtet", sagt Francesco Leonetti von der regionalen Umweltbehörde Arpa. Und dann rückten die Verantwortlichen der früheren Raffinerie auch nur zögernd mit der Wahrheit heraus, verschlimmerten die Lage damit noch. Denn es dauerte Stunden, bis das ganze Ausmaß und die Herkunft der Ölpest etwas klarer wurden. Und die Italiener, in diesen Tagen mehr noch als sonst gebeutelt von Nachrichten über Korruptionsfälle und Geldwäsche im großen Stil, mussten die neue schlechte Nachricht erst einmal verdauen: Ging es auch hier wieder einmal nur um Geschäfte?

Gespenst einer riesigen Bauspekulation
"Die Lambro-Region gehört zu den verschmutztesten in Italien, doch in der Nähe dieser Ex-Raffinerie sollte nun eine Art urbane Grünzone entstehen", erklärt die Turiner "La Stampa" den möglichen Hintergrund des Umweltverbrechens. Der Verdacht wird geäußert, dass die Ventile an den Tanks aufgedreht wurden, um dieses "Ecocity Villasanta Monza" genannte Megaprojekt zu treffen. Bei dem Vorhaben gehe es alles in allem um 500 Millionen Euro, wird der Bürgermeister von Villasanta, Emilio Merlo, zitiert. Manche sprechen vom Gespenst einer riesigen Bauspekulation. Was genau wollten jene, die die Ventile öffneten?

"Werden die Verantwortlichen schon bestrafen"
Doch die Sorge galt zunächst dem Po, diesem Wasserspender einer ganzen Region, lebenswichtig nicht zuletzt für die norditalienischen Landwirte. Für den Streit darüber, was es mit dem Desaster letztlich auf sich gehabt hat, bleibt noch Zeit genug. Es war erst einmal die Stunde der Umweltbehörden und auch des Zivilschutzes, der in Italien immer irgendwo gebraucht wird. "Die Verantwortlichen werden wir schon bestrafen", tönte es aus der Politik, als das Öl den Po erreichte.

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