Geheime Zentrifugen

Ahmadinejad lässt neue Atomanlagen im Gebirge bauen

Ausland
22.02.2010 11:19
Die Atom-Provokationen des Iran gehen in die nächste Runde: Die nationale Atombehörde hat am Montag den Bau von zwei weiteren Anlagen zur Anreicherung von Uran angekündigt. Die beiden Anlagen hätten die gleiche Kapazität wie jene in Natanz, die bis zu 50.000 Zentrifugen beherbergen kann, sagte Ali Akbar Salehi weiter. Für Besorgnis sorgt die Absicht des Irans, die neuen Anlagen im Gebirge zu verstecken.

Die neuen iranischen Urananreicherungsanlagen sollen versteckt errichtet werden, "um vor jeglichem Angriff geschützt zu sein", sagte Atombehördenchef Ali Akbar Salehi. Der Bau erfolge auf Anweisung von Präsident Mahmoud Ahmadinejad, erklärte er.

Die beiden neuen Anreicherungsanlagen sollen jeweils die Kapazität der Atomanlage in Natanz erreichen, wie Salehi ankündigte. Die bisher einzige voll funktionsfähige Urananreicherungsanlage des Iran ist mit bis zu 50.000 Zentrifugen ausgerüstet. In Natanz hatte die iranische Führung Anfang des Monats trotz drohender Sanktionen mit der Produktion von auf 20 Prozent angereichertem Uran begonnen. Ende September 2009 war zudem bekanntgeworden, dass der Iran eine zweite Anreicherungsanlage in Fordo bei Qom baut.

US-General fordert härtere Gangart
Der UNO-Sicherheitsrat hatte in den vergangenen Jahren bereits dreimal Sanktionen gegen den Iran verhängt, weil Teheran sich der Aufforderung zum Stopp der Urananreicherung widersetzte. Der Chef des US-Zentralkommandos, General David Petraeus, hat sich erst am Sonntag erneut für eine härtere Gangart gegenüber dem Iran ausgesprochen. Selbst wenn Teheran in Sachen Atomwaffenentwicklung noch nicht so weit sei, müsse der Druck auf den Iran erheblich erhöht werden, sagte der Oberkommandierende der US-Streitkräfte in der Golfregion, im Irak und in Afghanistan. Die USA hätten alles in ihrer Macht Stehende getan, um im Atomstreit mit Teheran zu einer gütlichen Einigung zu kommen. Doch angesichts der iranischen Haltung müsse der UNO-Sicherheitsrat die Sanktionen gegen den Iran verschärfen.

Petraeus bezog sich auf einen vor wenigen Tagen bekanntgewordenen Bericht der Internationalen Atomenergie-Organisation unter ihrem neuen Chef Yukiya Amano. Darin ist die Rede von möglichen früheren oder laufenden Aktivitäten zur Entwicklung eines atomaren Raketensprengkopfs durch den Iran. Teheran hatte daraufhin erneut darauf verwiesen, dass es den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet habe und am Bau von Nuklearwaffen, für den eine Urananreicherung von 85 Prozent erforderlich wäre, nicht interessiert sei.

USA bewerten Aktivitäten neu, EU berät Sanktionen
Der General erklärte weiter, die US-Geheimdienste seien dabei, die iranischen Atomaktivitäten neu zu bewerten. 2007 hatten die 16 US-Geheimdienste in einem Bericht festgestellt, dass Teheran seine Atomwaffenpläne bereits 2003 auf internationalen Druck hin aufgegeben habe und es keine Anzeichen für die Wiederbelebung entsprechender Absichten gebe. 

Die Außenminister der Europäischen Union sind indes am Montag in Brüssel zu Beratungen über verschärfte Sanktionen gegen den Iran  zusammengekommen. Österreichs Außenminister Michael Spindelegger geht davon aus, dass beim Iran "der Zug in Richtung Sanktionen führt". "Die internationale Gemeinschaft kann es sich solche Ankündigungen nicht gefallen lassen, ohne dass es Reaktionen gibt", meint der Außenminister. Von einer eigenen europäischen Aktion hält Spindelegger wenig.

Im Gegensatz zu den USA, Frankreich, Deutschland und Großbritannien sind Russland und China skeptisch, was eine Verschärfung der gegen Teheran verhängten Sanktionen durch den UNO-Sicherheitsrat betrifft.

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