Festival-Skandal

Provision von Ex-Chef floss an Firma in Karibik

Österreich
04.02.2010 07:45
Jetzt wird die Finanz-Affäre bei den Salzburger Osterfestspielen endgültig zum internationalen Wirtschafts-Krimi! Die Beweise dafür legte Mittwoch Landeschefin Gabi Burgstaller auf den Tisch. Der gefeuerte Festival-Chef ließ sich 300.000 Euro Provision an ein Konto auf Zypern und eine nicht existierende Firma in der Karibik zahlen!

Der Förderer stammt aus Russland: Igor Vidyaev ist ein erklärter Fan der klassischen Musik und wollte die Jugendarbeit durch eine große Stiftung an die Osterfestspiele unterstützen.

Am 2. Dezember 2008 unterzeichnete er den Fördervertrag, in dem genau festgelegt ist, wie das Geld verwendet werden darf - eine Provision war demnach nicht gestattet. Das kümmerte Michael Dewitte, inzwischen gefeuerten Geschäftsführer des Osterfestivals, aber nur wenig. Diese Finanz-Spritze von insgesamt 2,5 Millionen Euro wurde in mehreren Raten überwiesen - und sobald die ersten zwei Zahlungen von insgesamt 800.000 Euro auf den Konten waren, ging das Abkassieren los.

Geld floss nach Zypern und in die Karibik
Dewitte ließ 300.000 Euro der Spende als Provision abziehen. Das Geld ging auf ein Konto im türkischen Teil der Mittelmeer-Insel Zypern und an eine gar nicht existierende Firma namens "Art and Culture" im mittelamerikanischen Staat Belize, der zur Karibik gehört. Vernichtendes Urteil im brandneuen Sonder-Prüfbericht über die Festspiel-Affäre: "Die Überweisung der Provision widerspricht der vertraglichen Zweckwidmung im Fördervertrag" - diese Zahlung war also illegal. 

Empörung bei Burgstaller
Burgstaller weiß noch Details: "Der langjährige Technik-Direktor Klaus Kretschmer veranlasste es, dass die Rechnung von 'Art and Culture' gestellt wird, Dewitte ließ überweisen. Die Buchhaltung hatte dagegen erst Bedenken, gab schließlich aber nach", erklärte die Landeshauptfrau empört.

Und das war nicht die einzige Provision, die Dewitte für sich kassierte: Als es bei den Osterfestspielen finanzielle Engpässe gab, half US-Mäzen Donald Kahn großzügig mit einer Million Euro aus. Auch von diesem Geld gönnte sich Dewitte eine satte Provision - in diesem Fall waren es fünf Prozent, also genau 50.000 Euro.

Die "Audit"-Prüfer haben zusammengezählt, wie hoch die Provisionen von Sponsorbeiträgen waren: Stattliche 265.364,84 Euro - und da sind die 300.000 Euro in Richtung Zypern und Karibik noch nicht mitgezählt!

von Robert Redtenbacher, Kronen Zeitung

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