So, 16. Dezember 2018

Agenten-Thriller

22.11.2018 15:43

„Verschwörung“: Killertruppe jagt Lisbeth Salander

Die Romanfigur Lisbeth Salander ist dank der schwedischen „Millennium“-Filmtrilogie und der US-Version von „Verblendung“ nicht nur Leseratten ein Begriff. Die von Noomi Rapace und Rooney Mara verkörperte Hackerin ist eine Art moderne Superheldin, sie steht stellvertretend für den Kampf unterdrückter Frauen gegen einflussreiche, machthungrige und gewaltbereite Männer. Lisbeth Salander kehrt in „Verschwörung“ (Kinostart: 23. November), der Erstverfilmung des an die „Millennium“-Trilogie anschließenden Bestsellers, zurück auf die große Leinwand.

Die schwedischen Verfilmungen von Stieg Larssons „Verblendung“, „Verdammnis“ und „Vergebung“ entfachten einen regelrechten Kult um die coole Hackerin (Rapace) und ihren kongenialen Partner Mikael Blomkvist (verkörpert von Mikael Nyqvist), einen Stockholmer Enthüllungsjournalisten. Larsson durfte den Erfolg seiner Bücher und der Kinoreihe nicht miterleben, er starb bereits 2004 nach einem Herzinfarkt.

Die posthum erschienenen Romane machten auch Hollywood neugierig. Der erste Teil der Reihe, „Verblendung“, kam mit Rooney Mara und Daniel Craig unter der Regie von David Fincher 2011 in die Kinos. Trotz eines kommerziellen Erfolgs stockten die Planungen für die Verfilmung der zwei anderen Bücher.

Nun kommt endlich eine weitere Hollywood-Produktion aus dem „Millennium“-Universum in die Kinos - aber diesmal keine Stieg-Larsson-Verfilmung, sondern mit „Verschwörung“ der Roman von David Lagercrantz, der zeitlich an „Vergebung“ anschließt.

Der schwedische Autor begann 2015 mit dem Buch eine neue Salander-Blomkvist-Reihe, mittlerweile gibt es bereits ein zweites: „Verfolgung“ (2017). Die Angehörigen von Larsson hatten Lagercrantz, der mit der Biografie über Zlatan Ibrahimovic auf sich aufmerksam gemacht hatte, vor fünf Jahren mit der Fortschreibung der Geschichte um das ungleiche Duo beauftragt.

Und darum geht’s in Verschwörung: Lisbeth Salander (Claire Foy) streift nachts als Rächerin von Frauen, die von ihren Männern verletzt und erniedrigt wurden, durch Stockholm. Dank ihrer außergewöhnlichen Hackerfähigkeiten kommt der Ex-NSA-Mitarbeiter Frans Balder (Stephen Merchant) auf sie zu. Er hatte einst für den US-amerikanischen Geheimdienst ein Programm entwickelt, das es möglich macht, alle Nuklearraketen der Welt zu kontrollieren.

Lisbeth soll Balder helfen, diese die ganze Welt gefährdende Software zu zerstören. Der NSA-Sicherheitschef Edwin Needham (Lakeith Stanfield) und der schwedische Geheimdienst um Leiterin Gabriella Grane (Synnove Macody Lund) sind der Hackerin auf den Fersen, genauso wie eine Killerbrigade um Jan Holtser (Claes Bang), die für ein Verbrechersyndikat arbeitet.

Investigativ-Journalist Mikael Blomkvist (Sverrir Gudnason) ist wieder mal der einzige, dem Lisbeth trauen und der ihr beim Aufdecken der Verschwörung helfen kann. Eine Verschwörung, bei der sich Lisbeth auch ihrer Vergangenheit stellen muss ...

Wie schon das Buch geht auch der Film weg von der Stieg-Larsson-typischen Gesellschaftskritik und ist vielmehr ein Agenten-Thriller mit rasantem Tempo. Schon das Intro erinnert frappierend an einen James-Bond-Streifen. Gut und gerne könnte man „Verschwörung“ als Teil des „Mission: Impossible“-Universums verkaufen - nur halt mit einer weiblichen Protagonistin statt Tom Cruise.

Claire Foy macht ihre Sache als Lisbeth Salander sehr überzeugend, doch ist es für Fans der „Millennium“-Trilogie sicher etwas ungewohnt, dass die Figur des Mikael Blomkvist nur mehr eine Nebenrolle einnimmt.

Fazit: Zu viel „James Bond“ und „Mission: Impossible“ und zu wenig Mikael Blomkvist sorgen dafür, dass der Stieg-Larsson-Charme der „Millennium“-Trilogie völlig verloren geht.

Ingemar Pardatscher
Ingemar Pardatscher

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