Pikante Polit-Affäre

Nordirland: Gattin des Premiers hatte 19-jährigen Lover

Ausland
11.01.2010 08:40
Die Gattin des nordirischen Ministerpräsidenten Peter Robinson hat mit einer Affäre mit einem 40 Jahre jüngeren Mann eine Politkrise in Belfast ausgelöst. Die 60-jährige Politikerin pflegte ein Verhältnis mit einem damals erst 19-jährigen Burschen. In der Causa geht es auch um Geld und Korruption. Die Affäre bringt ihren Mann in arge Bedrängnis, selbst Parteifreunde fordern seinen Rücktritt.

Die Affäre ist mehr als pikant: Iris Robinson (im Bild rechts mit ihrem Gatten Peter) wird nicht nur der Seitensprung mit dem heute 21 Jahre alten Kirk McCambley (li.) aus Belfast vorgeworfen. Sie soll von Geschäftsleuten mehrere zehntausend Pfund eingesammelt haben, um ihrem Liebhaber bei der Eröffnung eines Cafés zu helfen. Rund 5.000 Pfund sollen dabei in ihre eigene Tasche geflossen sein.

Auch entschied sie als Vorsitzende eines Gremiums über Zuschüsse, die McCambley für die Eröffnung des Restaurants erhielt. Dabei machte sie allerdings nicht bekannt, dass sie auch privat mit dem Antragsteller bekannt war. In einer BBC-Sendung wurde zudem der Eindruck erweckt, dass nach einer Beichte seiner Frau auch Peter Robinson über die unsaubere Vergabe des Geldes Bescheid wusste, die zuständigen Behörden jedoch nicht benachrichtigte. Der seit 2008 amtierende Regierungschef bestreitet dies.

"Schwere Depressionen"
Robinson, im Amtstitel "First Minister of Northern Ireland", hatte am Mittwoch bekannt gegeben, dass seine Frau im vergangenen März Selbstmord begehen wollte, nachdem sie ihm die Affäre gestanden hatte. Schon Ende letzten Jahres hatte Iris Robinson ihren Rückzug aus der Politik in absehbarer Zeit bekannt gegeben. Damals hieß es, das Karriereende erfolge aus gesundheitlichen Gründen.

Iris Robinson hat sich am Wochenende in psychiatrische Behandlung begeben. Seine Frau leide seit längerem unter schweren Depressionen. Sie werde nun in einer Klinik in Belfast "intensiv" behandelt, erklärte ihr Mann, der damit auch Spekulationen über den Aufenthaltsort seiner Gattin zerstreute. Laut britischen Berichten steht Iris Robinson kurz davor, ihr Mandat sowohl im nordirischen Parlament als auch im Londoner Unterhaus niederzulegen. 

Katholisch-protestantische Koalition wackelt
Die Affäre hat die Robinsons zum Gespött der Öffentlichkeit gemacht. Und sie droht zu einer politischen Krise auszuwachsen, die den Friedensprozess in Nordirland gefährden könnte: Peter Robinson müsse als Regierungschef zurücktreten oder sein Amt zumindest vorübergehend ruhen lassen, forderte sein Amtsvorgänger David McIlveen, ein Freund des ehemaligen Chefs der pro-britischen Democratic Unionist Party, Ian Paisley. "Seine Position wird immer untragbarer", polterte McIlveen in einem BBC-Interview. "Er hat ein großes Problem damit, seine familiären Probleme zu lösen, und ich persönlich glaube nicht, dass das Privatleben eines Menschen sein öffentliches Leben nicht beeinflusst."

Die Koalition der protestantischen DUP unter Robinson mit der katholischen Sinn Fein steht ohnehin schon auf wackeligen Füßen. Belastet wird das Verhältnis der Regierungspartner unter anderem auch durch Robinsons Weigerung, mehr Vollmachten für die Justiz von London nach Belfast zu übertragen.

Trotz IRA-Waffenruhe immer wieder Anschläge 
Die politischen Spannungen gehen auch mit jüngsten Anschlägen von IRA-Dissidenten einher. Im vergangenen Jahr kamen dabei zwei Soldaten und ein Polizist ums Leben. Am Freitag wurde ein Polizist bei einem Bombenanschlag schwer verletzt. Der 33-Jährige schwebte am Wochenende weiter in Lebensgefahr. Die Irisch-Republikanische Armee hatte 1997 eine Waffenruhe verkündet - viele ihrer radikalen Anhänger akzeptieren diese jedoch bis heute nicht.

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