"Protesthochzeit"

Homosexuelle wollen Öffnung des Standesamts

Kärnten
05.01.2010 16:44
Die Eintragung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften sorgt in Klagenfurt für Aufregung. Mit einer "Protesthochzeit" haben Kärntner Homosexuelle am Dienstag für die Öffnung des Standesamtes demonstriert. Sie überreichten Bürgermeister Christian Scheider (FPK) eine Petition, dieser aber wollte von seinem Standpunkt nicht abweichen.

Während die Eintragung in einigen Städten Österreichs am Standesamt oder in einem eigenen Saal inklusive Zeremoniell möglich ist, findet der Akt in Klagenfurt in einem Büro im Amt für Bevölkerungswesen statt.

Soll das Klagenfurter Standesamt auch für homosexuelle Paare zur Verfügung stehen? Stimm ab in der Infobox!

Ein Kärntner Brautpaar ließ sich am Dienstag im zuständigen Amt symbolisch eintragen. Rund 50 Menschen folgten dem Aufruf einiger Homsexuellen-Inititiativen zur Demonstration. Mit Sprüchen wie "Eingetragen ist auch mein Hund!", "zum Scheidern verurteilt", "Wir wollen ins Standesamt!" verschafften sie ihrem Unmut vor dem Eingang Luft.

"Echt schiach und unpersönlich"
"Das hätte unser schönster Tag werden sollen, aber es war echt schiach und unpersönlich", erklärte Marie-Theres Grillitsch, eine der Bräute. "Wir sind zwar verlobt, aber unter diesen Umständen würden wir uns nicht eintragen lassen", zeigten sich die Demonstrantinnen Sonja und Sabrina enttäuscht. Auch Verwunderung machte sich breit: "Es ist schon komisch, dass Österreich sonst so modern ist, aber genau das nicht erlaubt wird", meinte Philipp, ein junger Klagenfurter.

Bürgermeister gegen Standesamt-Zeremonie
Obwohl durch die Übergabe der Petition "ein Diskussionsprozess" eingeleitet werden sollte, schloss Bürgermeister Christian Scheider eine Verpartnerung am Standesamt sofort aus. "Ich bin eher nicht dafür, dass es gleich wie eine Ehe zwischen Mann und Frau geschlossen werden soll." Aber er sei "diskussionsbereit", man müsse sich nun anschauen, wie die Eintragung in anderen Städten durchgeführt werde, meinte Scheider. "Ich lehne nicht alles ab."

"Werden in Hinterzimmer abgeschoben"
"Wir haben genauso das Recht auf eine Zeremonie", so Isabell Krakolinig vom Verein "Golden Girls". "Es ist eine absolute Frechheit, dass wir keine Feier bekommen und in irgendein Hinterzimmer abgeschoben werden", sagte Christina Blaschun, Sprecherin von "femme goes queer". Dies sei nicht der letzte Schritt gewesen, meinte auch die grüne Landtagsabgeordnete Barbara Lesjak. "Wir machen weiter und fordern zumindest die Bereitstellung eines angemessenen Raumes", erklärte die Politikerin.

Villach öffnet Sitzungssaal für Pärchen
Dass es übrigens auch anders geht, beweist in Kärnten die Stadt Villach. Dort wird für Paare, die sich verpartnern lassen wollen, ein Saal im Rathaus geöffnet. "Wir machen das in einem eigenen Raum - in einem umgestalteten Saal, der dem Anlass entsprechend ist", sagte Bürgermeister Helmut Manzenreiter (SPÖ). Dabei handle es sich um einen Sitzungssaal.


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